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Ueber Mineralfunde im Riesengebirge.

Müller, Wilhelm

Kurzfassung

Nachstehend erlaube ich mir eine Mittheilung zu machen über zwei Mineralfunde im Riesengebirge, von denen der erstere ein für dieses Gebirge neues, der zweite ein Mineral betrifft, welches im dortigen Granit nur äusserst selten und in anderer Form vorgekommen ist. 1. Wolframit vom Gipfel der Schneekoppe. Gelegentlich eines im letzten Herbst unternommenen Besuches der Schneekoppe übergab mir Herr Pohl, der Besistzer des Koppenhôtels, zwei Stücke eines schwarzen Minerals, welche von einem seiner Bediensteten in der unmittelbaren Umgebung des Hotels gefunden worden waren. Das eine Stück war aus seinem Muttergestein herausgelöst und stellt ein 1,7 cm langes, 1 cm breites und 0,4 cm dickes Krystallfragment dar; das andere, von wenig geringerer Grösse, sitzt in durch Eisenoxydhydrat gelbbraun gefärbtem, derbem Quarz. Von letzterem haften auch dem zuerst erwähnten Stück noch Partikelchen an, so dass es danach zweifellos ist, dass auch dieses in demselben Muttergestein gesessen haben müsse. Schon die blosse Betrachtung an Ort und Stelle liess mich erkennen, dass das schwarze Mineral Wolframit sein müsse; denn der flach tafelförmige Krystallhabitus, die nur nach einer Richtung vorhandene ausgezeichnete Spaltbarkeit und der metallartige Diamantglanz auf den Spaltungsflächen Hessen nur diese Deutung zu. Bestätigt wurde dieselbe durch das Verhalten des Minerals vor dem Löthrohre, seine chemischen Reaktionen und durch die Winkelmessung. Vor dem Löthrohr schmilzt es in strengem Feuer zu einer grauen, an der Oberfläche kristallinischen, schwach magnetischen Kugel.