Original paper

Ueber die kalkfreien Einlagerungen des Diluviums.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Das norddeutsche Diluvium ist in seiner Hauptmasse kalkhaltig, und eben durch seinen Kalkgehalt in der Regel leicht von alluvialen und tertiären Schichten zu unterscheiden. Der Procentgehalt an Kalk- und Magnesium-Carbonat beträgt im Mittel zahlreicher Analysen aus Ostpreussen, Westpreussen und der Mark Brandenburg für Geschiebemergel etwa 10-11 pCt. " Diluvialsand " 4 " " Mergelsand " 8-9 " " Thonmergel " 12-17 " bei normaler Ausbildungsweise. Der Kalkgehalt des Geschiebemergels stammt aus der mechanischen Zerkleinerung älterer Gesteine, insbesondere silurischer Kalksteine, devonischer Dolomitkalke und senoner und turoner Kreiden und Kreidemergel. Auch der Kalkgehalt der diluvialen Sedimentschichten ist zumeist durch einfache Schlemmung des Geschiebemergels, also durch einen mechanischen Aufbereitungs-Process in diese gelangt. Dem entspricht die fast unveränderte Erhaltung der in den Diluvialsanden eingebetteten Feldspathkörner. Indess hat auch während der Diluvialzeit der gemeine Verwitterungsprocess seinen Stempel einzelnen Schichten unverkennbar aufgedrückt. Die Vorgänge, welche heute das Ausgehende unserer Diluvialschichten entkalken, oxydiren, zersetzen und zu Ackerboden umwandeln, mussten zwar unter dem Inlandeise ruhen, aber in ähnlicher Weise auftreten, wo dieses sich zurückzog und der jungfräuliche Gletscherboden sich mit den ersten kümmerlichen Pflanzchen bekleidete. Rückte das Eis wieder vor, so musste die Verwitterung unterbrochen oder auf ein Minimum herabgedrückt werden.