Original paper

Ueber das Auftreten von Lias in Epirus.

Philippson, Alfred/Steinmann, Gustav

Kurzfassung

I. Das Auftreten der Kalke von Kuknleaes. [...] Im Auftrage der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin führte ich im Frühjahr 1893 eine Bereisung von Nord-Griechenland aus, wobei ich einige Wochen der Erforschung von Türkisch-Epirus widmete. Die Landschaft Epirus, von der Westküste bis zum Fluss von Arta im Osten, welcher jetzt die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland bildet, wird von einem System ansehnlich hoher Kalkketten eingenommen, welche einander parallel im Allgemeinen von Nnw nach Sso streichen, und welche zwischen sich gleichsinnig gerichtete Zonen von Flyschgesteinen einschliessen. Tektonisch bilden die Kalkgebirge Faltensättel, der Flysch Faltenmulden, und dem entspricht auch die orographische Gestaltung, indem die härteren Kalksteine als Gebirge hervorragen, während in den weicheren Flyschgesteinen von der Erosion breite Thalmulden ausgearbeitet sind. Der Kalkstein fällt stets unter den Flysch ein. An der oberen Grenze des Kalkes gegen den Flysch finden sich an zahlreichen Orten Nummuliten, Orbitoiden und andere eocäne Foraminiferen, durch welche sowohl der oberste Theil der Kalkmassen als auch der Flysch als eocän bestimmt sind. Diese obersten eocänen Kalke sind hier, ungleich wie weiter südlich im Peloponnes, von der unterlagernden Hauptmasse des Kalkes meist scharf geschieden, zunächst durch ihre ausgesprochene Schichtung, die schon von weitem von den massigen oder undeutlich geschichteten mesozoischen Kalken absticht, dann aber auch durch eine Zone von gelblichem oder röthlichem Hornstein, welche sich fast stets unter dem Eocänkalk findet. Darunter folgen dann die sehr mächtigen, hellgrauen, klotzigen mesozoischen Kalke, welche die Hauptmasse der Kalkgebirge von Epirus zusammensetzen. In diesen Kalken habe ich in Epirus, mit Ausnahme des gleich näher zu besprechenden Fundpunktes Kukuleaés, nirgends makroskopisch sichtbare Fossilien gefunden; selbst die sonst in den Kalken Griechenlands so häufigen Rudisten-Querschnitte konnte ich nicht bemerken.