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Ueber abgerollte Blöcke von Nulliporen-Kalk im Nulliporen-Kalk von Kalsersteinbruch.

Fuchs, Theodor

Kurzfassung

Im Jahre 1889 erschien in dieser Zeitschrift ein Aufsatz von E. Liebetrau unter dem Titel: "Beiträge zur Kenntniss des unteren Muschelkalkes bei Jena." In diesem an äusserst interessanten Details so reichem Aufsatze erwähnt der Verfasser auch eigenthümliche Conglomeratschichten, welche in dem unteren Muschelkalk auftreten und deren Eigentümlichkeit darin besteht, dass die in den Muschelkalkbänken eingeschlossenen Gerolle selbst auch aus Muschelkalk zu bestehen scheinen, so dass es den Anschein hat, dass etwas ältere Partieen von Muschelkalk zu Geröllen verarbeitet und diese sodann in einen etwas jüngeren Muschelkalk abgelagert worden wären. Aehnliche Erscheinungen sind wohl auch bereits von anderer Seite beschrieben worden, doch gehören dieselben trotzdem zu den Seltenheiten, und möge es dadurch gerechtfertigt erscheinen, wenn ich hier mit einigen Worten über ein ähnliches Vorkommen berichte, welches ich während meines wiederholten Sommeraufenthalts in Kaisersteinbruch am Leythagebirge in einem der dortigen Nulliporenkalk-Brüche zu beobachten Gelegenheit hatte. Unter den Nulliporen-Kalken des Wiener Beckens kann man im Allgemeinen zwei Typen unterscheiden. Der eine dieser Typen ist dadurch entstanden, dass Nulliporen-Rasen über einander emporwuchsen und die Zwischenräume zwischen den Aestchen durch organischen Detritus sowie schliesslich durch ein thonig-kalkiges Cäment ausgefüllt wurden. Es ist dies ein durch ungestörtes Wachsthum der Nulliporen-Rasen in situ gebildetes Gestein, und will ich dasselbe als "originären" Nulliporen-Kalk bezeichnen. Es gehören hierzu die Nulliporen-Kalke von Wöllersdorf, Mülendorf, Mannersdorf, Oszlop u.a. Der zweite Typus ist dadurch entstanden, dass ästige Nulliporen zertrümmert, die Trümmer abgerollt und schliesslich schichtenweise abgesetzt wurden. Die auf diese Weise entstandenen Gesteine haben häufig einen psammitischen, mitunter auch einen oolithischen Habitus, und will ich dieselben als "detritären" Nulliporen-Kalk bezeichnen.