Original paper

über gesetzmässige Einseitigkeit von Thalböschungen und Lehmablagerungen.

Zimmermann, Ernst

Kurzfassung

Bei seinen geologischen Aufnahmen im thüringisch-sächsischen Grenzgebiete (Gegend von Werdau-Zwickau) drängte sich dem Vortragenden eine eigentümliche geographisch-geologische Gesetzmässigkeit auf, welche bisher wenigstens bei uns nur wenig beachtet zu sein scheint, obwohl ein späteres Studium der Litteratur, sowie geologischer und topographischer Karten ergab, dass diese Gesetzlichkeit gerade im westlichen Sachsen, wie auch in vielen anderen Theilen Mitteleuropas von Frankreich bis tief nach Russland hinein vorhanden und auch schon mehrfach beobachtet und beschrieben worden ist. Diese Gesetzmässigkeit giebt sich kund, wenn man Scharen von gleichgerichteten Thälern (nicht Flussläufen) oder Thalstücken unter sich vergleicht, und zeigt sich 1. darin, dass bei gewissen Thalrichtungen die gleich orientirten Thalseiten entweder durchgängig steiler oder durchgängig flacher sind als die gegenüberliegenden Thalseiten, und 2. darin, dass die flacheren Böschungen mit lehmigen Bildungen (Eluvium oder Diluvium) mehr oder minder stark bedeckt sind, während die steileren das ältere Gebirge flachgründig oder fest, z. Th. felsig anstehend zu Tage treten lassen; und zwar ist stets die Nord-, bezw. Nordost-, bezw. Ostseite des Thales die steilere, unabhängig davon, in welcher Richtung das Gewässer das Thal durchströmt, und unabhängig vom geologischen Alter, Bau und potrographischen Charakter der Gesteine, also allein in Beziehung zu der Himmelsrichtung. Ausgeprägte Widersprüche zu diesem Gesetz werden sich bei den genannten Himmelsrichtungen wohl nur selten finden; Gleichgiltigkeit bekunden nur die NO.-SW.-Thäler, bei denen bald die eine, bald die andere Thalseite die steilere ist. Allerdings muss noch hervorgehoben werden. dass dies Gesetz nur für die kleinen bis sehr kleinen (z. Th. noch nicht 1/2 km langen), nicht für die tiefen, erosionskräftigen Thäler Giltigkeit beansprucht.