Original paper

Ueber die corrodirende Wirkung des Windes im Quadersandstein-Gebiet der Sächsischen Schweiz.

Beck, Richard

Kurzfassung

Im Laufe der letzten Jahre hat man der geologischen Thätigkeit des Windes soviel Aufmerksamkeit geschenkt, dass dem Verfasser einige Beobachtungen von Interesse erschienen, die er bei der Kartirung der Sectionen Sebnitz und Königstein-Hohnstein für die königlich sächsische geologische Landesuntersuchung anzustellen in der Lage war. Im Allgemeinen spielt der Wind unter den zerstörenden Naturkräften im Quadersandstein-Gebiet der Sächsischen Schweiz eine nur sehr untergeordnete Rolle: Er bringt durch sein Wehen gelegentlich die durch Verwitterung gelockerten Sandkörnchen an den senkrechten Felswänden vollends zum Abfallen. Er fegt von den nackten Felsplatten die durch die Wirkung von Regen, Feuchtigkeit und Temperaturwechsel abgebröckelten Sandkörnchen hinweg und erschwert so die Besiedelung dieser Flächen mit Algen, Flechten, Moosen und späterhin höheren Pflanzen, durch deren Ausbreitung das Gestein bald mit einer die Verwitterung verlangsamenden Schutzdecke überzogen werden würde. Er entwurzelt endlich hier und dort einmal einen Baum, dessen flach ausgebreiteter Wurzelballen ganze Krusten und Schalen von Sand und mürbem Sandstein vom Felsengrund mit losreisst und diesen jeder Hülle bar den Angriffen der Verwitterung ausliefert. In gewissen Fällen vermag der Wind indessen auch unmittelbar zerstörend zu wirken, wenn er nämlich Flugsand gegen nackte Felsoberflächen peitscht. Dieser bei der leichten Zerstörbarkeit des Quadersandsteins von vornherein sehr wahrscheinliche Vorgang wurde bereits von A. Hettner kurz angedeutet, aber nicht näher beschrieben und bewiesen. Im Folgenden soll versucht werden, die zerstörende Thätigkeit des Windes durch Bewerfen der Felsen mit Flugsand an einiger recht überzeugenden Beispielen zu erläutern und zu beweisen