Original paper

Ueber Löcher von Bohrmuscheln in Diluvialgeschieben.

Deecke, Wilhelm

Kurzfassung

Am Nordpehrd bei Göhren trifft man unter den zahlreich am Strande angehäuften Geschieben, die zum grössten Theile zerstörtem Geschiebemergel entstammen, vereinzelt silurische Kalke, welche deutliche Bohrlöcher von bohrenden Muscheln zeigen. Es handelt sich in diesem Falle nicht etwa um Vertiefungen, die in ungleichmässiger Verwitterung ihren Ursprung haben. Die Löcher sind fingerförmig, unten durch runden Boden geschlossen und haben eine glatte Wand. Man kann sie nur mit den von Lithodomus oder Saxicava im Kalkstein ausgehöhlten Wohnräumen vergleichen. Ferner erhielt ich durch Herrn cand. Heberlein aus den Kiesgruben von Neu-Torney bei Stettin einen obersilurischen, vermuthlich von Gotland stammenden Korallenstock, an welchem ebenfalls sehr deutlich die Wirkungen von bohrenden Mollusken hervortraten. Die bis 5 cm langen, schmalen Gänge waren von einem feinen, braunen, lehmigen Sand und einzelnen grösseren, gerundeten Quarzkörnern erfüllt, glattwandig und theilweise flaschenförmig ausgezogen. Aus welcher Zeit stammen nun diese Bohrlöcher? Dass sie nicht entstanden sind, so lange die betreffenden Kalke sich noch an ursprünglicher Lagerstätte befanden, folgt daraus, dass mit Ausnahme einer kleinen (Auflage-) Fläche die Muscheln ringsum angesetzt haben. Jedenfalls waren es Trümmer. Anzunehmen aber, dass diese Bruchstücke silurischer Gesteine etwa zur Kreide- oder Tertiärzeit im Meere gelegen hätten und angebohrt wären, geht ebenfalls nicht, da man sie dann schwerlich mit so guter Erhaltung der Bohrungen im Diluvium eingebettet finden würde. Der Eistransport müsste deutlich in seinen Wirkungen hervortreten. So bleibt hier nur übrig, dass die Löcher zur Diluvialzeit an silurischen Geschieben hervorgebracht sind, und dass die jetzigen Fundorte nicht allzuweit von der damaligen Lagerstätte der Geschiebe liegen.