Original paper

Ammoniten-Brut mit Aptychen in der Wohnkammer von Oppelia steraspis Oppel sp.

Richard, Michael

Kurzfassung

Das Mineralogische Museum der Breslauer Universität besitzt seit längerer Zeit eine Kalkplatte aus Solenhofen mit einer Oppelia steraspis Oppel sp. Der Erhaltungszustand derselben ist der für den lithographischen Schiefer charakteristische: Sipho, Schale und Scheidewände sind nur als schattenhafter, immerhin aber bestimmbarer Abdruck ihres Umrisses wahrzunehmen. Die Platte ist zum Theil mit Eisenoxydhydrat etwas imprägnirt, namentlich hebt sich die Wohnkammer durch eine dunkel gelbe Farbe deutlicher hervor. Der Aptychus, welcher allein in seiner ursprünglichen kalkigen Substanz erhalten geblieben ist, zeigt alle von Oppel für den Aptychus der Oppelia steraspis als besonders charakteristisch hervorgehobenen Eigentümlichkeiten. Seine beiden Schalen sind zusammengeklappt, ihre Breite beträgt 15 mm, ihre Länge an der Harmonielinie 29 mm, ihre grösste Länge 32 mm; die untere ragt ein wenig unter der oberen hervor. Der Aptychus befindet sich nicht in der sogenannten normalen Stellung (vergl. die Abbildung in Zittel's Handbuch), sondern beide Schalen sind nach vorn verrückt und kehren ihre Harmonielinie der ventralen Seite der Mündung zu; ihre Länge stimmt mit der Höhe der Mundöffnung überein. Soweit zeigt die Kalkplatte nichts Aussergewöhnliches, dagegen wird sie durch einen anderen Umstand bemerkenswert. Man sieht nämlich in der Mitte der Wohnkammer eine Anhäufung zahlreicher, kalkiger Theilchen, die sich allein schon durch ihre hellere Farbe von dem dunkleren Untergrunde abhebt und als fremdartige Erscheinung sofort in die Augen fällt. Sie bedeckt etwa das mittlere Drittel in seiner ganzen Ausdehnung, im vorderen und hinteren Theile der Wohnkammer ist nichts dergleichen zu bemerken.