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Ueber das Alter der thüringer Tentaculiten- und Nereiten-Schichten.

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

Die mächtige Folge von dunklen Schiefern, Quarziten und Diabasen, die im sächsisch-thüringer Voigtlande zwischen den jüngeren Graptolithen-Schiefern und den sog. Planschwitzer Tuffen auftreten, die Tentaculiten- und Nereiten-Schiefer, haben eine sehr verschiedene Beurtheilung gefunden. R. Richter erklärte sie mit Rücksicht auf die merkwürdigen Nereiten (Nereites, Myrianites etc.), die er unmittelbar auf ähnliche Formen Englands und Schottlands (Ner. cambrensis Murch. etc.) zurückführen zu können glaubte, zuerst für altsilurisch (nach unserer jetzigen Bezeichnungsweise cambrisch), später mit Geinitz wenigstens für obersilurisch und hielt an dieser Anschauung bis an sein Lebensende fest. Gümbel dagegen spricht die gleiche Schichtenfolge im Frankenwald und Fichtelgebirge schon seit langer Zeit als unterdevonisch an, mit alleiniger Ausnahme der vielfach an ihrer unteren Grenze auftretenden Kalkknollenschiefer, der Tentaculiten- (oder Ctenacanthus) -Kalke, die er als obersilurisch ansieht. Th. Liebe endlich hat die gesammte, in Frage kommende Schichtenreihe zum Unterdevon gezogen - eine Classification, der sich sowohl die preussische geologische Landesanstalt als auch ich selbst angeschlossen haben. Sie stützt sich mit auf eine von mir vor längerer Zeit ausgeführte Bestimmung der von Liebe, Richter und Anderen in den Tentaculiten- und Nereiten-Schichten gesammelten Versteinerungen, auf Grund deren ich angenommen hatte, dass die genannten Schichten wesentlich gleichalterig seien mit dem Hercyn des Harzes und den, damals von mir insgesammt als unterdevonisch angesehenen Barrande'schen Schichten F, G, H in Böhmen. Seit einigen Jahren bin ich indess zur Ueberzeugung gelangt, dass auch diese letzte Classification noch nicht zutreffend ist, dass die Tentaculiten- und Nereiten-Schiefer nicht dem Unter-, sondern vielmehr dem Mitteldevon angehören.