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über den Artbegriff von Terebratula biplicata Sow.

Tiessen, Ernst

Kurzfassung

Die Untersuchung der Terebratuliden aus der subhercynen Tourtia, in welcher fast ausschliesslich biplicate Formen vertreten sind, hat die übereinstimmende Ansicht der Autoren über die mangelhafte Begrenzung des Artbegriffs von T. biplicata Sow. von Neuem bestätigt. Wegen der ungemeinen Variabilität der Merkmale lassen sich selbst zwischen Formen, welche nicht nur in den dimensionalen Verhältnissen, sondern auch in der Art der Faltung und dem Bau des Schnabels unterschieden sind, vermittelnde Zwischenformen erkennen, so dass eine natürliche Abgrenzung der Arten dadurch ungewöhnlich erschwert wird. Schlönbach, welcher die durch Ewald gesammelten Brachiopoden der genannten Ablagerung bereits einer Durchsicht unterzog, hat in seinen "Brachiopoden der Norddeutschen Genoman-Bildungen". 1867, t. 21, f. 1-2 zwei Exemplare der Ewald'schen Sammlung als T. biplicata Sow. abgebildet. Dieselben weichen jedoch in wesentlichen äusseren Merkmalen, sowohl im Umriss als in der Faltung und dem Bau des Schnabels von dem bei Sowerby abgebildeten Typus ab. In jedem Falle sind dieselben von T. biplicata Sow. abzutrennen. Es wird überhaupt für die Artbestimmung unter den biplicaten Terebrateln der Kreide unerlässlich sein, den Artbegriff von T. biplicata auf den von Sowerby abgebildeten und von L. v. Buch ausführlich beschriebenen Typus zu beschränken. Formen, welche von diesem Typus im Schnabelbau und in der Art der Faltung wesentlich divergiren, müssen dann als besondere Arten abgetrennt werden, auch wenn sie durch Uebergänge mit T. biplicata oder unter einander verbunden scheinen. Solche Uebergangsformen werden dann als solche zu bezeichnen sein und in ihrer Zwischenstellung belassen werden müssen. Auch die verticale und horizontale Verbreitung von T. biplicata wird sich durch das Festhalten des Sowerby'schen Typus in befriedigender Weise klären.