Original paper

Ueber neue Saurier-Funde aus dem Muschelkalk von Bayreuth.

Geissler, Gustav

Kurzfassung

Einer der von V. Gümbel mit dem Namen "hercynische Schollen" bezeichneten oberfränkischen Ausläufer der fränkischen Muschelkalkplatte beginnt nördlich von Bayreuth und zieht nach Südost. Derselbe schliesst nordöstlich von Bayreuth, etwa 1 Stunde entfernt, den Bindlacher und weiter in südöstlicher Richtung den Oschersberg ein. Die auf beiden Bergen betriebenen Steinbrüche liefern schon seit Jahren eine reiche Ausbeute an Saurier-Resten; ihnen entstammt ja bekanntlich auch das Material, das Graf zu Münster und H. V. Meyer zur Begründung und Specialisirung der Gattungen Nothosaurus und Placodus benutzten, nachdem bis dahin allein Cuvier einige Saurier-Reste aus dem Muschelkalk beschrieben hatte, ohne diesen aber eine sichere Stellung zu geben. Im Folgenden soll nun über einige aus dem Bayreuther Muschelkalk stammende Saurier-Reste berichtet werden, deren Fund man ohne Uebertreibung als einen der besten überhaupt im Muschelkalk gemachten bezeichnen darf. Im Steinbruch auf dem Bindlacher Berg stiess man October 1893 auf das einer Kalksteinplatte aufliegende Rumpfskelet eines Sauriers (im Folgenden "Saurierplatte" benannt), sowie direct daneben auf einen einzelnen, jedenfalls dazu gehörigen Knochen. Sonst fand sich im selben Horizont auf einem ziemlichen Umkreis kein weiterer Knochen. Nach vorsichtigem Weitergraben fand man kurze Zeit darauf etwa 1,2 m tiefer den Schädel und 3/4 m von diesem entfernt in derselben Schicht den Unterkiefer eines Sauriers, ausserdem dabei lose noch einige Zähne. Die Saurierplatte lag ca. 8,5 m senkrecht unterhalb des Plateaus des Bindlacher Berges und 6 m wagerecht von aussen herein, Schädel und Unterkiefer, wie schon erwähnt, 1,2 m tiefer und etwa 1 m weiter nach aussen.