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Ueber einen Schwefelgehalt der frischen Lava als Ursache des metallischen Glanzes.

Pfeiffer, Emil

Kurzfassung

Als ich im Jahre 1892 bei Gelegenheit des Aetnaausbruches im Sonntagsblatt der Jenaischen Zeitung vom 18. und 25. September eine Erklärung der den Vulkanismus begleitenden Erscheinungen zu geben versuchte, war mir nicht mehr im Gedächtniss, dass man in den Laven keinen Schwefel gefunden habe, und da ich ein Werk zum Nachschlagen nicht zur Hand hatte, stellte ich sofort den sorgfältigen Versuch auf Schwefelgehalt mit einem Ende Mai vom Vesuv mitgebrachtem Stück frischer Lava an, indem ich dieselbe fein zerrieben in einem engen Glasrohr mit wenig reiner Salzsäure übergoss und sofort angefeuchtetes Bleipapier derart einführte, dass das entweichende Gas damit in innige Berührung kommen musste. Eine geringe aber zweifellose, bräunliche Färbung des Papieres war das Resultat. Wenn man bedenkt, wie rasch für Laboratoriumszwecke bereitetes Schwefeleisen in Berührung mit der Luft und deren wechselndem Feuchtigkeitsgehalt durch Oxydation seinen Schwefelgehalt zu verlieren vermag, so darf es einem nicht Wunder nehmen, dass die Analytiker der Lava einen Schwefelgehalt nicht gefunden haben, obschon die gewaltigen Mengen als schweflige Säure sich fühlbar machenden Schwefelwasserstoffes mit Sicherheit einen solchen in der aus grosser Erdtiefe kommenden Lava voraussetzen lassen. Bei der Darstellung des Schwefeleisens durch Ausgiessen auf kalte Platten is es das rasche Erkalten der wasserfrei zusammengebrachten Substanzen, welches für die gute Beschaffenheit des Produktes Gewähr leistet. Bei der Lava bildet dagegen der gleicher Zeit vorhandene glühend heisse Wasserdampf mit dem Schwefeleisen Schwefelwasserstoff, dessen gelbe Flamme durch den Widerschein der geschmolzenen Lava goldig erscheint, aber auch noch beim langsameren Fliessen der Lava als gelbe Flämmchen überall da auftritt, wo Risse oder entstandene Ansammlungen dem Gase das Entweichen erleichtern. So kommt es, dass nur die rascher erkaltende Rindenschicht einen geringen Schwefelgehalt zurückhält, der unter Verlust des Metallglanzes aber ebenfalls sehr vergänglich ist.