Original paper

Ueber die Eruption des Vesuv am 3. Juli 1895.

Matteucci, R. V.

Kurzfassung

Nachdem in den ersten Tagen des Februar 1894 die laterale Eruption, welche ungefähr 3 Jahre ununterbrochen angedauert und im "Atrio del Cavallo" eine sehr grosse Masse von Lava angehäuft hatte, beendigt war, verblieb der Vesuv während des ganzen Jahres 1894 in der charakteristischen strombolianischen Thätigkeit. In einem Berichte, welcher demnächst in Tschermak's Mineralogischen und petrographischen Mittheilungen veröffentlicht werden wird, habe ich diese Thätigkeit des Vesuv zum Gegenstande einiger Erörterungen gemacht. Die strombolianische Thätigkeit dauerte in den ersten 6 Monaten dieses Jahres fort, und äusserte sich in oft sehr reichlichen Ausströmungen von Gasen und Dämpfen, in mehr oder weniger kräftigen Auswürfen von glühenden Schlacken, welche immer mehr den Eruptivkegel erhöhten, und welche zuweilen auf beträchtliche Entfernungen fortgeschleudert wurden; wie es z.B. am 15. Februar und am 7. und 21. Mai der Fall war. Die Höhe des Eruptivkegels nahm dabei in Folge von Magmaergüssen, welche aus der Oeffnung im Zusammenhange mit bedeutender Zunahme von innerem Dynamismus hervorflossen, allmählich zu. Nichtsdestoweniger füllte sich der grosse Versenkungskrater, der sich während der letzten Eruption von 1891-1894 gebildet hatte, nur langsam an, weil der Eruptivkegel von Zeit zu Zeit in sich zurücksank. Gegen Mitte März dieses Jahres überragte der besagte Eruptivkegel bereits um einige Meter den Rand des alten Kraters und Ende Mai war er bereits um weitere 15 m gewachsen; der vulkanische Schlot neigte merklich nach Westen. In langen Zwischenräumen machten sich auch einige ziemlich heftige Erdbebenstösse bemerklich, welche aber immer auf den Rayon des Vesuvkegels beschränkt blieben. Unter abwechselnder Zu- und Abnahme der strombolianischen Thätigkeit blieb dieser Zustand so bis zum 2. Juli.