Original paper

über pseudoglaciale Erscheinungen in mitteldeutschen Gebirgen.

Blanckenhorn, Max

Kurzfassung

In der Entwicklung der Theorie der diluvialen Eiszeit oder Eiszeiten machen namentlich die Ansichten über die sicheren Kennzeichen und die dereinstige Verbreitung der Vergletscherung noch fortwährend Wandlungen durch. Wenn man früher als Merkmale einer ehemaligen Eisbedeckung einer Gegend hauptsächlich geschliffene anstehende Felsgesteine, gekritzte Geschiebe in ungeschichteten Blocklehmen, das Vorhandensein von grossen erratischen Blöcken, die aus weiter Ferne stammen, und concentrisch geordnete, halbkreisförmige Wälle oder Stirnmoränen ansah, geht man jetzt vielfach weiter und zieht als Beweismittel andere Erscheinungen herbei, deren Entstehung man sich noch nicht recht auf andere Weise erklären kann. Zwei Gruppen von solchen Erscheinungen hat Herr Professor Steinmann auf der allgemeinen Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Strassburg im Jahre 1892 ausführlicher besprochen, so dass ich mich hier in ihrer Schilderung kürzer fassen kann. Es handelt sich kurz gesagt um Blocklehm mit eckigen Gesteinstrümmern, aber ohne deutlich gekritzte Geschiebe, Stein- Mann's sogenannte "Localmoräne", und zweitens um oberflächliche Dislocationen von anstehenden Schichtgesteinen als Umbiegungen, Faltungen, Zerquetschungen. Es ist aber nicht richtig, wenn gesagt wird, dass für diese Erscheinungen zur Zeit andere befriedigende Erklärungen fehlen. Für die zweite Gruppe von Erscheinungen, speciell die Schichtenumbiegungen und Faltungen existirte wenigstens theilweise eine Erklärung schon lange, nur blieb sie leider unbekannt; für die erste haben wir eine meiner Ansicht nach völlig ausreichende jetzt durch J. Geikie in der neuesten Auflage seines epochemachenden Werkes The Great Ice Age, 1894, III, Aufl., erhalten. Ich wende mich zunächst der zweiten Gruppe zu.