Original paper

über Facieswechsel im Palaeozoicum des polnischen Mittelgebirges.

Gürich, Georg

Kurzfassung

Der Vortragende knüpfte zunächst an seine Untersuchungen in dem obengenannten Gebiete an, welche in ausführlicher Darstellung demnächst in den Mittheilungen der Mineralogischen Gesellschaft in Petersburg erscheinen werden. In Correctur-Exemplaren legte Vortragender Tabellen vor, in denen die gesammte Schichtenreihe von den mittelcambrischen Paradoxides - Schichten von Sandomir bis zu den Clymenien führenden Mergeln des obersten Devon von dem Gehöfte Psiarnia bei Kielce übersichtlich zusammengestellt sind, sowie ferner die 15 Tafeln, welche die wichtigsten der neuen Formen dieses Gebietes und zwar zumeist solche aus devonischen Horizonten enthalten. Nach der Darlegung einiger allgemeiner Grundgedanken, welche den Vortragenden veranlassten, für die verschiedenen Schichten des Gebietes gewisse relative bathologische Werthe anzunehmen, führte er zur Veranschaulichung seiner Auffassung eine Curve vor, in welcher die Strandlinie und die Tiefenlinien der küstennahen und der küstenfernen Flachsee sowie die Tiefseekante die Ordinaten, die beobachteten geologischen Horizonte aber die Abscissen darstellen. Ein Fallen der Curve bedeutet also ein Tieferwerden des Meeres, einen positiven Facieswechsel. Im Untersuchungsgebiete fällt die Curve vom küstennahen Mittelcambrium, zeigt im Untersilur eine negative Oscillation, erreicht im Obersilur ihren tiefsten, gleich darauf im Unterdevon ihren höchsten Stand, bewegt sich im Mitteldevon, einen meist neutralen Facieswechsel anzeigend, in der Tiefenstufe der Flachsee, und nach einer energischen negativen Bewegung gegen Ende dieser Zeit tritt im Oberdevon ein allgemeiner positiver Facieswechsel, ein Absinken der Curve zur Tiefseekante ein. Die Methode der Faciescurven dient also einmal theoretisch dazu, um Schichten ohne organische Reste und von indifferentem Habitus durch ihre Lage zwischen zwei bestimmten Punkten der Curve ihrer bathologischen Stellung nach festzulegen, dann aber dient sie besonders dem praktischen Zwecke, diese Erscheinungen zu veranschaulichen, was namentlich bei Vergleichung des Facieswechsels in verschiedenen Gebieten von Werth sein dürfte.