Original paper

Ueber den versuchten Nachweis des Interglacial durch Bohrmuscheln.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

In meiner "Uebersicht der Geologie Ost- und Wespreussens" erwähnte ich paläozoische Diluvialgeschiebe mit Bohrlöchern von Muscheln, welche ich dem vom Cenoman bis Senon transgredirenden Kreidemeere zuschrieb. Herr W. Deecke, welcher ähnliche Stücke von Rügen und Stettin sah, findet diese Erklärung unzulässig wegen der guten Erhaltung der Stücke. "Der Eistransport müsste deutlich in seinen Wirkungen hervortreten." Es bleibe nur übrig, dass die Löcher zur Diluvialzeit an Geschieben hervorgebracht seien, und damit wäre "für die bisher auf das "westliche Ostseebecken beschränkte interglaciale See die Aus-"dehnung in die östlich von Rügen gelegenen Senken erwiesen "oder doch wenigstens in den Bereich der Möglichkeit gerückt." Demgegenüber möchte ich feststellen, 1. dass bekanntlich zahlreiche lose Versteinerungen und charakteristisch gestaltete Concretionen unverletzt oder doch wenig beschädigt in die Schichten des Diluviums eingebettet worden sind, und dass dies somit auch für die verhältnissmässig wenigen Geschiebe gedachter Art sehr wohl möglich war; 2. dass letztere in Ostpreussen, und zwar z.B. bei Bischofstein und bei Guttstadt mit Ausfüllungen phosphoritischen Grünsandes vorkommen, wie solche im Interglacial noch nirgends beobachtet, dagegen für Kreide und Oligocän bezeichnend sind. Deshalb halte ich an dem vordiluvialen, cretaceischen (oder oligocänen) Alter der ostpreussischen Bohrmuschel - Spuren fest. Im Uebrigen können Bohrmuscheln im Cenoman und Senon. im Oligocän, Frühglacial und Interglacial, in den westlichsten Theilen der Ostsee auch im Paleocän und im Miocän gelebt haben; aber eben deshalb lege ich wenig Gewicht, auf ihre Untersuchung. Es erscheint mir völlig unzulässig, geologische Schlüsse von solcher Tragweite auf dieselben zu stützen.