Original paper

Zur Geologie der Monti Picentini bei Neapel.

Böse, E./De Lorenzo, G.

Kurzfassung

Nachdem wir an anderer Stelle unsere Untersuchungen über den geologischen Bau des südlichen Appennin und speciell auch der Halbinsel Sorrent publicirt haben, wollen wir hier versuchen, Einiges über die Tektonik und die Schichtenfolge der Gebirge östlich der Halbinsel Sorrent beizubringen. Wir werden unsere Erfahrungen durch ein Detailprofil erläutern, weil man nur durch solche oder durch eine Detailkartirung Klarheit über den geologischen Aufbau eines Gebirges erlangen kann. Erst wenn überall im südlichen Appennin der Aufbau durch Detailprofile illustrirt sein wird, wird man ein richtiges Bild von der Tektonik dieses so mächtigen und interessanten Gebirgszuges gewinnen; bis dahin bleiben alle Speculationen über die Tektonik desselben, welche man auf Grund geographischer Karten angestellt hat, eben nichts als Speculationen. Topographisches. Wir haben den Namen Monti Picentini nach dem alten Völkerstamme der Piceni gewählt, welcher vor Zeiten dieses Gebiet bewohnte; Costa hat diesen Namen schon im Jahre 1864 benutzt. Wir bezeichnen damit das Gebiet zwischen Avellino, Salerno und dem oberen Selethal. Eine genaue Abgrenzung dieses kleineren Bezirkes ist deshalb schwierig, weil im Norden ein grösseres Längsthal fehlt. Deecke bezeichnet das grössere Gebiet zwischen Avellino, Pescopagano und Salerno als die Monti Irpini und dasjenige, welches westlich von dem oberen Selethal liegt, als Berge von Montella und Caposele; wir haben den älteren, von Costa benutzten Namen vorgezogen. Geologisch ist dieses Gebiet so gut wie unbekannt, nur die Faunen von Giffoni und Mercato S. Severino wurden durch Bassani beschrieben. Wir haben unsere Untersuchungen einstweilen auf den westlichen Theil der Monti Picentini beschränkt.