Original paper

über die Auffindung von Lias im nordwestlichen Borneo.

Krause, Paul Gustaf

Kurzfassung

Eine reichhaltige Collection Fossilien, welche das geologische Reichsmuseum zu Leiden durch den Bergingenieur Wing Easton Ende vorigen Jahres aus dem nordwestlichen Borneo empfing, enthielt 2 verschiedene jurassische Niveaus. Das eine, dessen Gestein aus einem zähen, dunkel blaugrauen, etwas kalkhaltigen Thone besteht, ist ausserordentlich reich an verhältnissmässig gut erhaltenen Lamellibranchiaten und Gastropoden. Daneben fanden sich einige unbestimmbare Ammoniten-Reste. Dieses Material ist augenscheinlich gleichen Alters wie eine kleinere, ältere Sendung, für welche K. Martin vor kurzem auf Grund eines darin enthaltenen Perisphinctes ein oberjurassisches Alter annahm. Das zweite Niveau ist in noch höherem Maasse interessant Petrographisch besteht es aus etwas bituminösen, ebenflächigen Schieferthonen, welche auffallend den entsprechenden Gesteinen unseres deutschen Ober-Lias gleichen. In ihnen fanden sich zahlreiche, plattgedrückte Ammoniten aas der Gruppe des Harpoceras radians Rein. Wenn auch die Art nicht sicher bestimmt werden kann, so lässt sich doch mit genügender Sicherheit an der Hand derselben ihr geologischer Horizont als dem oberen Lias angehörig feststellen. Dieser erste Fand von Lias auf Borneo gewinnt dadurch noch an Interesse, dass vor nicht langer Zeit auch auf der kleinen Insel Rotti im Sw von Timor durch A. Wichmann und Rothpletz mariner Lias (sowie Dogger und wahrscheinlich auch Weisser Jura) nachgewiesen werden konnte. Diese Lias- resp. Jura-Vorkommnisse auf zwei weit von einander entfernten Inseln geben daher von der Vertheilung von Wasser und Land in Indonesien wahrend der Jurazeit ein wesentlich anderes Bild als es Neumayr in seinen geistvollen Untersuchungen über diesen Gegenstand entwarf.