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Das paläothermale Problem, speciell die klimatischen Verhältnisse des Eocän in Europa und im Polargebiet.

Semper, Max

Kurzfassung

Einleitung. Die folgende Arbeit ist bestimmt, einen Beitrag zu liefern zur Lösung des paläothermalen Problems, der Frage nach dem Wesen und den Ursachen des Klimas der Vorzeit. Bisher wurde dieses Problem meistens in Arbeiten über die Eiszeit behandelt, und Wesen und Ursache des prädiluvialen Klimas anhangsweise mit denen des glacialen besprochen. Das Resultat der vielen aufgewandten Mühe ist aber ein so geringes gewesen, dass wohl eine Fülle der widersprechendsten allgemeinen Ansichten ausgesprochen ist; aber eine im Princip oder im speciellen Falle wohl begründeten Einwänden nicht ausgesetzte Lösung wurde nicht gefunden. Es scheint daraus hervorzugehen, dass die Methode der bisherigen Untersuchung nicht die richtige war. Sie ging meistens darauf aus, klimatische Aenderungen auf Schwankungen der Sonnenwärme zurückzuführen. Zum Theil betrachtete man auf Grund astronomischer Berechnungen die Excentricität der Erdbahn und damit die Entfernung der Sonne in den einzelnen Jahreszeiten als veränderlich; zum Theil brachte man im Zusammenhang mit der Hypothese von Kant und Laplace die klimatische Entwicklung in eine Parallele zur Abkühlung der Sonne, zum Theil aber suchte man, wie Neumayr trotz des Widerspruchs der Geophysiker die Ursache in verschiedener Lage der Erdaxe. Allen diesen und der Fülle der übrigen Hypothesen, auf die einzugehen schwierig und unlohnend sein würde, ist die Voraus setzung gemeinsam, dass die Factoren, welche in der Gegenwart neben der mit der Breite an Intensität abnehmenden Insolation das Klima bestimmen, nicht zur Erklärung ausreichen, sondern dass selbst bedeutende Veränderungen auf der Erdoberfläche bei ungeänderter Insolation nur von minimalen, ausser Acht zu lassenden klimatischen Wirkungen begleitet sein würden.