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Ueber muthmaassliche Endmoränen eines Gletschers vom Rehorn-Gebirge und Kolbenkamme bei Liebau i. Schl.

Althans, Ernst

Kurzfassung

Professor Dr. Joseph Partsch ist auf Grund sorgfältiger Durchforschungen des Riesengebirges, zuletzt im Jahre 1893 in Gemeinschaft mit Penck und Eduard Richter, zu der Annahme einer zweimaligen Vergletscherung gelangt. Die von ihm am Nordgehänge in 920 m, sowie insbesondere im Melzergrund bei Krummhübel in 790 m Meereshöhe nachgewiesenen Endmoränen sollen aus den 2 Hauptperioden der Eiszeit herrühren, und zwar diese aus der I., jene aus der II. Vergletscherung. Er nimmt dabei für die I. Eiszeit 1150 m Meereshöhe als die untere Grenze der Schneelinie am Riesengebirge an. Seine Forschungen und Beweisgründe haben die von Gustav Berendt im Jahre 1891 veröffentlichte Ansicht einer sehr viel weiter reichenden Vergletscherung bei Vielen stark erschüttert. Mit Berendt stehe ich noch heute auf dem Standpunkte meines im December 1888 in Breslau gehaltenen Vertrages, dass die sehr deutlich erhaltenen Endmoränen und ebenso die von Partsch und Penck im Riesengebirge untersuchten aus der II. Eiszeit herrühren müssen, weil die Spuren der I. Eiszeit in Europa, ebenso wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika wahrend der Interglacialzeit bis zur Unkenntlichkeit verwischt sind. Mancherlei Anzeichen solcher Sparen sind mir später auf meinen Wanderungen am Nordabhange des Riesen- und Isergebirges bei Flinsberg, Petersdorf, Agnetendorf und am Kynast aufgefallen, wogegen am Südabhange nur Rundhöcker und bei Schwarzenbach verschleppte Marmorblöcke auf eine frühere, weitreichende Vergletscherung schliessen lassen.