Original paper

Ueber die Krystallform des Leonit aus den Steinsalzlagern von Leopoldshall.

Tenne, C. A.

Kurzfassung

Durch Herrn Johannes Brunner, den schon durch den Hintzëit (Milch) bekannten Besitzer einer ausgezeichneten Mineralien-Sammlung in Magdeburg, wurde in diesem Sommer ein Abraumsalz aus den Stassfurt-Leopoldshaller Steinsalzlagern in krystallisirten Stufen erworben, konnte aber mit keiner der bekannten Mineralspecies identificirt werden. Die krystallographische Prüfung der Stufen wurde dem Verfasser übertragen, wogegen durch Herrn W. Müller in Charlottenburg, dem ein anderer Theil der Stufen zugestellt war, die chemische Untersuchung veranlasst wurde. Ueber das Vorkommen der Stufen konnte Herr Brunner in Erfahrung bringen, dass die Krystalle im Hangenden der Kainit-Lagerstätte auf einer ca. 8 cm starken Bank von Steinsalz aufgewachsen waren, die ihrerseits wieder von einer schwachen Lage von reinem Kainit bedeckt wurde. Die räumliche Ausdehnung der Funde ist nur unbedeutend. An den vorliegenden Handstücken liegt das Salz entsprechend der obigen Angabe über das geologische Vorkommen auf einer Lage von grobkörnigem Steinsalz. Es hat eine schwach gelbliche Grundfarbe, die bald mehr ins Röthliche, bald ins Graue hinüberspielt, an einzelnen ausgezeichneten Stufen aber einen rein canariengelben Ton besitzt. Die dem Steinsalz direkt aufsitzenden Partien sind dicke tafelförmige Krystalle. die nur wenige frei ausgebildete Flächen am Rande der Tafeln zeigen. Aber zwischen den grösseren Tafeln finden sich kleinere frei herausragende und meist heller gefärbte Individuen, von denen ich einige zum Zwecke der Messung und optischen Prüfung den Stufen entnommen habe. Im Uebrigen sind die zwischen den dickeren Krystalltafeln verbleibenden Räume ausgefüllt von einer zerfliesslichen Substanz, die im frischen Zustande ein zuckerkörniges loses Gefüge besitzt und mit der Präparirnadel leicht entfernt werden kann, später aber erhärtet.