Original paper

Thierfährten aus dem Oberrothliegenden von Tambach in Thüringen.

Pabst, Wilhelm

Kurzfassung

Schon in meinem auf der allgemeinen Versammlung in Coburg gehaltenen Vortrag (diese Zeitschr. 1895 p. 570 ff.) glaubte ich darauf hinweisen zu können, "dass die Tambacher Fährten drei, vielleicht sogar vier verschiedenen, sehr wohl von einander trennbaren Typen angehören, deren unterscheidende Merkmale im Bau, der Anzahl der Zehen, der Entwicklung des Ballens und der Fusswurzel und auch in den Maassen begründet liegen, wozu sich noch die einzelnen Typen eigenthümliche Gangart der betreffenden Thiere gesellt". Meine damalige Auffassung konnte ich auf der allgemeinen Versammlung in Stuttgart bestätigen. - Soweit heute die Untersuchung des umfangreichen Materiales von Fährtenplatten, das eine fortgesetzte systematische Ausbeute der Fundstätte ergeben hat, und das sich mit Ausnahme der bereits an andere Museen abgegebenen Platten vollständig im Herzoglichen Museum in Gotha befindet, als vorläufig abgeschlossen zu betrachten ist da infolge veränderter Abbauverhältnisse neuere Funde von principieller Bedeutung nicht gemacht worden sind, gehören die Thierfährten in dem Oberrothliegenden Tambachs bestimmt drei sehr wohl von einander trennbaren Fährtentypen an, über die dich an der Hand der Abbildungen einiger typischer Fährtenplatten hier folgende, vorläufig kürzere Mittheilungen mache, da ich mir eine erschöpfende Besprechung der Tambacher Fährten für eine spätere umfangreichere Veröffentlichung vorbehalte. Die "Einzelfährte", der "Tritt" oder "Stapfen" des ersten Fährtentypus, (Taf. XIV, Fig. 1-3), welche bei vollständig ausgebildetem Relief stets einen wohlentwickelten Ballen und fünf nicht selten deutlich gegliederte Zehen erkennen lässt, ist ausgezeichnet durch klumpige und scheibenförmige Endigungen der letztem Phalangen der Zehen, die jedenfalls nackt waren, und durch eine besondere Breitenentwicklung, da die Länge der Einzelfährten die Entfernung von der Spitze der längsten Zehe bis zum Ende der Fusswurzel, entweder gleich der Spannweite, der Entfernung der äussersten Zehenspitzen von einander, ist oder von dieser um 1 bis 1,5 cm übertroffen wird.