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Der diluviale Aar- und Rhonegletscher.

Baltzer, Arnim

Kurzfassung

Seit 12 Jahren schenkte ich den glacialen Ablagerungen der Umgebung meines Wohnortes Aufmerksamkeit, wobei ich durch den Umstand unterstützt wurde, dass das Material derselben vielfach aus Alpengebieten kommt, die ich selbst zum grossen Theil geologisch aufgenommen habe. Naturgemäss dehnte ich die Untersuchungen auch auf einen Theil des Rhonegletschers aus und suchte meine allgemeine Auffassung der Eiszeiten durch den Besuch der Hauptaufschlüsse auf der Südseite der Alpen und in den Ostalpen zu vertiefen und besser zu begründen. Das Resultat dieser Arbeit ist in der 30. Lieferung der Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz niedergelegt, auf welche ich verweise. Da die eiszeitliche Forschung sich allgemeineneren Interesses erfreut, so hoffe ich, dass auch an dieser Stelle die folgenden Mittheilungen besonders über das gegenseitige Verhältniss der obengenannten Gletscher Beachtung finden werden. Ich schicke zur Orientirung einige allgemeine Betrachtungen voraus. Unter Eiszeiten versteht man bekanntlich Klimaschvankungen von grösserem Umfang und längerer Dauer, welche selbst wieder viele ihnen untergeordnete kleinere und kleinste Schwankungen von kurzer Dauer (ca. 35 Jahre) in sich begreifen. Jene können wir uns unter der Form grösserer Curven vorstellen, denem diese in Gestalt kleiner Curven aufgesetzt sind. Die Statistik der heutigen Gletscher hat gezeigt, dass dieselben Vor- und Rückwärtsperioden haben, welche weder von gleicher Dauer sind, noch für die verschiedenen Gletscher ganz synchron verlaufen. Vielmehr erscheinen, wie Forel nachwies, die eine gegen die anderen verspätet, ja selbst benachbarte Gletscher verhalten sich nicht ganz gleich. Wir wollen dieses Gesetz als das der relativen Incongruenz der Vor- und Rückwärtsperioden bezeichnen. Dasselbe wurde bisher nur für recente Gletscher bewiesen.