Original paper

über pleistocäne Bildungen im schwäbischen Unterlande mit besonderer Berücksichtigung der Mittagsexcursion nach Cannstatt:

Fraas, Eberhard

Kurzfassung

Unsere Mittagsexcursion ist nach Cannstatt gerichtet, dem altberühmten Fundort von Mammuthzähnen und diluvialen Säugethieren, die dort zuweilen in einer solchen Menge aufgespeichert liegen, dass sie schon vor bald 200 und 300 Jahren die Aufmerksamkeit auf sich zogen und zu Ausgrabungen Veranlassung gaben. Die Aufschlüsse gestalten sich dort zur Zeit noch günstig, da durch die Bauten der Umgehungsbahn Untertürkheim-Kornwertheim ein tiefer Einschnitt gerade in dem interessantesten Gebiete ausgehoben wurde. In scharfem Bogen wendet sich bei Cannstatt der Neckar aus der SO-NW - Richtung nach N und NO und tritt aus der durch scharfe Verwerfungen gekennzeichneten Filderscholle in diejenige des Schurwaldes ein. Nach demselben Wendepunkt des Neckarthales sind auch die Einbrüche des Stuttgarter Beckens gerichtet, so dass also in der Ecke von Cannstatt ein Zusammentreten verschiedenartiger Gebirgsstörungen zu beobachten ist. Abgesehen von diesen tektonischen Erscheinungen werden aber besonders die diluvialen Bildungen unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, welche eine sehr verschiedenartige Zusammensetzung aufweisen. An dem Profile, das wir in dem Bahneinschnitte hinter dem Kursaal im Sulzerrain sehen werden, lassen sich folgende Lagerungsverhältnisse beobachten. Auf den Gypsmergeln des unteren Keupers, welche das Taggestein der Senkung von Cannstatt am Sulzerrain bilden, lagern Neckarkiese, welche zum Theil zu einer festen Nagelfluhe verkittet sind. Der Lagerung nach (20-22 m über dem Neckarspiegel) sind sie als Hochterrassenschotter zu bezeichnen, und ihr diluviales Alter ist, ganz abgesehen von der Lagerung, durch die Funde von Elephas bewiesen. Auf dem Schotter lagern lehmige Gebilde, welche hinter dem Kursaal in dem Bahneinschnitt beginnen, gegen S und SO in der Richtung nach dem Seelberg und der Winterhalde mächtig anschwellen und dort das weltberühmte Mammuthfeld von Cannstatt bilden.