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über die Färbung der Mineralien.

Weinschenk, Ernst

Kurzfassung

Die ausserordentlich abwechslungsreiche Färbung, welche wir bei einer grossen Anzahl von Mineralien beobachten, bildet eine der am meisten hervortretenden Eigenschaften, und diese Erscheinung vor allem zieht die Aufmerksamkeit des Laien auf sich. Eine praktische Bedeutung gewinnt sie namentlich bei den Edelsteinen, deren höherer oder geringerer Werth durch den Tom und die Reinheit ihrer Färbung bestimmt wird. Bei zahlreichen Mineralien, wie Kupferlasur und Zinnober, wissen wir, dass die Farbe der Substanz selbst eigen ist, und wir bezeichnen dieselbe als Eigenfarbe. Aber viel grösser ist die Zahl derjenigen Mineralien, welche an sich farblos oder sehr licht gefärbt in der Natur in den wechselvollsten, glänzendsten Farben auftreten, wobei diese Färbung so gleichmässig durch den ganzen Krystall vertheilt erscheint, dass wir selbst bei Anwendung unserer schärfsten Untersuchungsmethoden die Ursache der Färbung nicht erkennen können. Die Aehnlichkeit dieser Erscheinung, welche zumal bei Flussspat h. Quarz. Apatit und anderen eine so grosse Mannigfaltigkeit erreicht, mit der Art der Vertheilung eines Farbstoffes in einer Lösung, war der Anlass, dass man dieselbe als dilute Färbung bezeichnete. Diese dilut vertheilten Farbstoffe der Mineralien weisen nun nicht nur in Beziehung auf ihre Mannigfaltigkeit, sondern ebenso in Beziehung auf ihre Beständigkeit weitgehende Unterschiede auf. Ein Theil derselben wird schon durch das Licht zerstört, und wir beobachten am Chrysopras, am rothen Vanadinit, am Smaragd, am Nontronit nach kürzerem oder längerem Liegen im Sonnenlicht eine vollkommene Ausreichung. Bei anderen wieder ist eine geringe Erhöhung der Temperatur ausreichend, um jede Spur einer Färbung zu zerstören, wie z.B. bei den gefärbten Varietäten von Quarz, Steinsalz und Flussspath, welche zumeist bei 200-250° ihre Färbung vollständig verlieren.