Original paper

Ueber einen Mammuthfund im Diluvium von Jaroslawl a. d. Wolga.

Doss, Bruno

Kurzfassung

Es war im Juli vergangenen Jahres, als eines Abends die Gouvernementsstadt Jaroslawl ein Gerücht durchschwirrte, man habe innerhalb des Weichbildes ein gewaltiges Mammuth aufgedeckt. Lawinenartig vergrösserte sich von Mund zu Mund das Massige des Fundes. Ein Zeitungsverkäufer - das lebendige Lexikon von Stadtneuigkeiten - behauptete mir gegenüber, der ich mich gerade in genanntem Orte aufhielt, allen Ernstes, es lägen mindestens 1000 Pud Knochen beisammen! Die bezeichnete Localität in einer Vorstadt, dem Sakotoroslischen Stadttheil. gelegen, war mir als ein interessanter Diluvialaufschluss bereits bekannt, die Möglichkeit eines Mammuthfundes daselbst durchaus wahrscheinlich, und so machte ich mich denn am nächsten Morgen auf, um das Tbatsächliche festzustellen. Zur Kennzeichnung der Situation diene zunächst das Folgende. Die eigentliche Stadt Jaroslawl breitet sich auf einem diluvialen Plateau aus. das winkelförmig begrenzt wird von der nach SO fliessenden Wolga und der von West herkommenden Kotorosl, eines Nebenflusses der ersteren. Beide haben sich tief in das Gelände eingeschnitten: ihre stadtseits gelegenen Ufer steigen bis ca. 20 m empor. Die Kotorosl speciell serpentinisirt mit ihrem recenten Bett in einer jungalluvialen, den Frühjahrshochwässern noch ausgesetzten Thalterrasse. Ueber letztere setzt von der Stadt aus, sich an die "Amerikanische Brücke" anschliessend, ein 600 m langer Fahrdamm bis zum Beginn einer zweiten, höher gelegenen, altalluvialen, hochwasserfreien Terrasse, auf welcher die Vorstadt beginnt (siehe Profil Fig. 1). Ungefähr 1200 m führt uns die Moskauer Strasse quer über diesen Thalboden, bis wir, ganz sanft ansteigend, jenseits des Feuerwachtthurmes das rechtsseitige, diluviale Steilufer der Kotorosl-Ebene erreicht haben.