Original paper

über die Zugehörigkeit der Gattung Folliculites zu der lebenden Hydrocharidee Stratiotes.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

Seit fast 100 Jahren kennt man aus der miocänen Braunkohlenformation westlich des Thüringer Waldes Samen, die von Zencker für eine Balgfrucht gehalten und als Folliculites kaltennordheimensis bezeichnet wurden. Seit jener Zeit haben zahlreiche Botaniker sich bemüht, die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Samen festzustellen, und es wurde eine ganze Reihe von Pflanzenfamilien als Verwandte derselben in Anspruch genommen, von denen ich hier Ranunculaceen, Coniferen, Santalaceen, Passifloren und Nymphaeaceen anführe. Selbst Insektenlarven wurden zur Erklärung herangezogen. Da fand vor einigen Jahren Nehring in dem diluvialen Torflager von Klinge in grosser Menge walzenförmige, "wurstartige" Samen, die ebenfalls den Bemühungen zahlreicher Botaniker, sie zu identificiren, Trotz boten. Die gleichen Samen fand später C. Weber in dem interglacialen Torflager von Lütjen-Bornholt in Holstein, und es stellte sich weiterhin heraus, dass sie schon lange aus dem Cromer Forestbed in Norfolk und in einer "pleistocänen" Ablagerung von St. Cross in Suffolk von Clement Reid gefunden waren. Auch Potonie beschäftigte sich näher mit diesen von Nehring als Räthselfrucht, Paradoxocarpus carinatus, bezeichneten Gebilden, untersuchte ihren anatomischen Bau und machte die interessante Beobachtung, dass der tertiäre Folliculites und der quartäre Faradoxocarpus nahe Verwandte sind und zu einem und demselben Genus gehören. Er nannte also die diluviale Torfpflanze Folliculites carinatus und glaubte mit einiger Sicherheit feststellen zu können, dass es sich um Steinfrüchte, Drupen, handle, und dass die zu diesen Drupen gehörende Pflanze in der Verwandtschaft der Anacardiaceen zu suchen sei, einer Familie strauch- und baumartiger Pflanzen, zu der die Pistacien und Sumachbäume gehören. In Bezug auf die näheren Ausführungen verweise ich auf die Abhandlung Potonie's im Neuen Jahrbuche 1893.