Original paper

Ueber den geologischen Bau des Glärnisch.

Rothpletz, August

Kurzfassung

Unsere Vorstellungen von dem Aufbau dieses Bergmassives basiren fast ausschliesslich auf einer Arbeit Baltzer's, die 1873 unter dem Titel "Der Glärnisch, ein Problem alpinen Gebirgsbaues" erschienen ist. Danach ist dieser Bergcoloss, welcher auf allen Seiten durch tiefe und breite Thäler aus den ihn umgebenden Gebirgsketten wie herausgemeisselt erscheint, so dass er mit jenen nur noch im Südwesten durch den schmalen Ruchigrat zusammenhängt, in seiner unteren Hälfte aus Jurasedimenten und dem noch älteren Röthidolomit und Sernifit aufgebaut. Die obere Hälfte hingegen, welche wie ein steiles, langes und breites Gemäuer auf diesen mächtigen und nach unten breit ausladenden Sockel gesetzt ist, besteht nur aus Kreidesedimenten. Einzig und allein am Ost-Fusse sind unten am Sockel auch noch tertiäre Schichten in geringer Mächtigkeit als Basis des Ganzen eingeschoben. Diese Schichten liegen fast überall ziemlich flach und lassen sich in Folge dessen in Form schmaler Terrassen und zwischenliegender steiler Felswände bandförmig ringsum an den Gehängen dieses Massives verfolgen, das dadurch den Anschein erweckt, als sei es sehr einfach aufgebaut nach Art eines nur wenig verbogenen Tafelgebirges. In Wirklichkeit wiederholen sich aber dieselben Schichten mehrfach übereinander. Nach Baltzer's Angaben liegen sie, abwechselnd in normaler und umgekehrter Lagerung, sechsmal übereinander und bilden 3 liegende Mulden und 3 liegende Sättel oder im Ganzen 3 liegende Falten, nur dass man von den Faltenumbiegungen nichts gewahrt, weil sie in Folge der Isolirtheit des Massives der Erosion bereits zum Opfer gefallen seien.