Original paper

Ueber Erderschütterungen in der Republik Guatemala in den Jahren 1895 und 1896.

Sapper, Carl

Kurzfassung

Während ich mich in meinen früheren Mittheilungen über Erderschütterungen in der Republik Guatemala fast ausschliesslich auf das karstähnliche Kreidekalkgebiet der Alta Verapaz beschränken musste, bin ich nunmehr in der Lage, auch Aufzeichnungen aus einem vulkanischen Theile des Landes, aus dem Departamento Quezaltenango, zum Vergleich heranziehen zu können. Quezaltenango ist eine Stadt des Hochlandes von Guatemala und liegt am Nordfuss des im Solfatara-Zustand befindlichen Vulkans Cerro quemado, der im Jahre 1785 seinen letzten Ausbruch gehabt hat. Die übrigen auf der Erdbebenliste angeführten Punkte des Departamento Quezaltenango sind Kaffeeplantagen der Costa Cuca, von welchen La Esmeralda und El Tránsito in der Nähe des erloschenen Vulkans Santa Maria liegen, während S. Francisco Miramar und Las Mercedes dem erloschenen Vulkan Lacandon näher sind. Es fällt hier auf, dass in Quezaltenango 1895 und 1896 entschieden viel weniger Erderschütterungen auftraten, als an der naheliegenden Costa Cuca; leider aber ist die Beobachtungszeit noch viel zu kurz, um irgend welchen allgemeinen Schluss zuzulassen. Es ist ferner sehr auffallend, dass die meisten im Departamento Quezaltenango beobachteten Beben, die gewiss zum weitaus überwiegenden Theil vulkanischer Natur sind, nur eine locale Verbreitung haben und nicht ein grösseres Gebiet in Mitleidenschaft ziehen. In noch auffälligerem Maasse ist diese locale Beschränkung der Erdbeben in dem Karstgebiete der Alta Verapaz zu beobachten, wo zumeist, wie ich schon früher hervorgehoben habe, Höhleneinstürze und Dolinen-Neubildungen als Ursache der Erschütterungen zu betrachten sind.