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Ueber die Lebensweise fossiler Meeresthiere.

Walther, Johannes

Kurzfassung

Das Festland der heutigen Erdoberfläche wird von Organismen bewohnt, welche sich leicht in Pflanzen und Thiere unterscheiden lassen, und die Unterschiede dieser beiden Gruppen sind so augenfällig, dass Niemand im Zweifel sein kann, ob ein Lebewesen als Pflanze oder als Thier zu bezeichnen sei. Aber wenn wir unser Augenmerk von den festländischen Organismen auf die Bewohner des Süsswassers oder die Lebewesen des Meeres lenken, so erheben sich vielfach unerwartete Schwierigkeiten. Eine Spongie, eine grüne, vielverästelte Alcyonarie erscheint so pflanzenähnlich, die Diatomeen und Peridineen stimmen so sehr mit vielen einzelligen Thieren überein, dass man nur schwer ein entscheidendes Urtheil abgeben kann; und der alte Ausdruck "Pflanzenthiere" zeugt von den Zweifeln, welche die alten Naturforscher betreffs der systematischen Stellung vieler mariner Organismen hegten. Der erste Versuch, die Organismen des Meeres nach bionomischen Gruppen zu sondern, stammt von Johannes Müller. Um das Jahr 1850 erkannte der geniale Biolog, dass das Wasser des offenen Meeres nicht allein von den längst bekannten grossen Medusen, Siphonophoren, Ctenophoren, Pyrosomen und Salpen belebt sei, sondern dass man mit einem feinen Gazenetz auch unzählige, mikroskopisch kleine Organismen fischen könne, die mit jenen in den wesentlichsten Eigenschaften übereinstimmten. Johannes Müller nannte diese Wesen "pelagischen Mulder" oder "Auftrieb", ein Ausdruck, der bald in andere Sprachen übernommen wurde. Eine schärfere Fassung und Erweiterung erhielt der Begriff des Auftriebes sodann 1888 durch Viktor Hensen. der das Wort Plankton (umherirrend, verschlagen) einführte, um damit alle passiv im Wasser treibenden Organismen zu bezeichnen.