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Die Gattung Euchondria im deutschen Culm.

Torkquist, Alexander

Kurzfassung

Kürzlich wurde ich in der hiesigen Sammlung auf einen interessanten Aviculopectiniden von dem bekannten Culmfundpunkt des Weinberges bei Herborn in Nassau aufmerksam. Da die fragliche Form den ersten in europäischen Ablagerungen bekannten Vertreter einer nur in Amerika bisher nachgewiesenen Gattung darstellt, so dürfte dieselbe bei der weiten Verbreitung der Herborner Culm-Fossilien in allen Sammlungen Beachtung verdienen. Ein kurzer Hinweis auf diese Culmform findet sich bereits in meiner Beschreibung unserer elsässischen Unter-Carbon-Lamellibranchiaten. Die mir in einer einzigen, linken Schale vorliegende Art zeigt folgende Merkmale: Euchondria europaea nov. sp. Breite der Schale 17 mm, Höhe derselben 15 mm, Länge des Schlossrandes 8 mm. Die Gestalt der Schale ist am Unterrande regelmässig gerundet, nach hinten aber ziemlich stark ausgezogen. Die grösste Breite liegt unterhalb der halben Höhe der Schale; vom hinteren Ohr zieht sich in ziemlicher Ausdehnung eine geradlinige Begrenzung schräg nach unten. Diese Gestalt kann aber recht wohl durch in diesen Culm-Schiefern meist auftretende Verdrückung etwas entstellt sein. Die Depressionen der Ohren bilden am Wirbel fast einen rechten Winkel. Die Schale ist mässig gewölbt. Die Ohren sind fast gleich gross; das hintere ist nur um sehr weniges länger als das vordere. Die Ohren sind deutlich vom Hauptschalentheile abgesetzt. Die vordere Begrenzung des vorderen Ohres ist unten stark ausgebuchtet, entsprechend dem in der rechten Schale vorhandenen Byssusausschnitt. Die Schale ist fast sculpturlos; nur auf dem vorderen Ohr sind vereinzelte, regelmässige, concentrische Streifen zu entdecken; ausserdem sind ca. 4 grobe, unregelmässige Anwachsabsätze ausgebildet.