Original paper

Das Gipfelgestein des Elbrus nebst Bemerkungen über einige andere kaukasische Vorkommnisse.

von Ammon, Ludwig

Kurzfassung

Der Kaukasus-Reisende Gottfried Merzbacher in München hat mir sein während der Jahre 1891 und 1892 in den Hochregionen des Gebirges gesammeltes Gesteinsmaterial zur näheren Prüfung und Bestimmung übergeben. Es besteht zumeist aus Schiefer- und Sandsteinstücken des daghestanischen Hochlandes, doch sind auch einige ältere Eruptivgesteine sowie die Schiefer der archäischen Hauptkette aus den westlichen Gebietstheilen vertreten. Die genauere Beschreibung der Gesteine mit Abbildungen von Dünnschliffen und einzelner Versteinerungen wird als besonderer Anhang zu dein eben im Druck befindlichen Werke des Herrn Merzbacher "Aus den Schneeregionen des Kaukasus" erscheinen. An dieser Stelle soll zunächst nur ein einziges Gestein näher besprochen werden; es verdient dasselbe eine allgemeine Beachtung, einmal weil es die grösste Erhebung im Kaukasus, den Elbrus (5646 m), bildet, dann aber namentlich weil über seine mineralogische Zusammensetzung verschiedenartige Angaben in der Litteratur sich finden. Gewissermaassen als Anhang mögen weiter noch einige verwandte Gesteine vom Berge Kum-tubé (Tschegemthal), einem bisher nicht oder wenig beachteten Punkte, Berücksichtigung finden, und schliesslich dürfte es gestattet sein, über einige andere interessante Vorkommnisse kurze Notizen zu geben. A. Das Elbrusgestein, ein Hyalo-Hypersthen-Amphibol-Dacit. Die gewaltige Masse des Elbrus, bekanntlich aus einem andesitischen Gestein bestehend, ist einer granitischen Basis aufgesetzt; der Durchmesser des Vulkankegels beträgt ungefähr 14 Kilometer. Die Gipfelregion des Berges trägt zwei Spitzen. Das mir zur Untersuchung vorliegende Gesteinsstück stammt von der obersten Stelle der höheren Spitze; Herr Merzbacher, welcher sich, halb erstarrt vor Frost und umbraust von dem heftigsten Windestoben, nur wenige Stunden auf dem Gipfel aufhalten konnte, hat es selbst gesammelt.