Original paper

Ueber ein Torflager im älteren Diluvium des sächsischen Erzgebirges.

Beck R./Weber C. A.

Kurzfassung

Als der erstgenannte Verfasser während des Sommers 1896 im Auftrage der königlichen geologischen Landesanstalt die Section Schwarzenberg der geologischen Specialkarte von Sachsen revidirte, fand er hinter der Gesner'schen Neuen Fabrik am linken Muldenufer bei Klösterlein unweit Aue einen neugeschaffenen Diluvial- Aufschluss vor, der in mehrfacher Hinsicht Interesse verdient. Beim Bau der Fabrik hatte man hier an der steilen Böschung Thon entdeckt und sogleich eine grössere Partie davon abgebaut. Hierbei war unter dem Thone ein Torflager blosgelegt und bei völlig horizontaler Lagerung eine Strecke von 4-5 m weit in den Berg hinein verfolgt worden. Diese Torfschicht nimmt sowohl nach ihren geologischen Lagerungsverhältnissen, als auch nach ihren später von C. Weber untersuchten Pflanzenresten eine ganz besondere Stellung unter den Torfbildungen des sächsischen Erzgebirges ein. Was zunächst die Lagerungsverhältnisse betrifft, so befindet sich der Fundpunkt innerhalb des Kessels, zu dem sich die Thäler der von Süd her strömenden Zwickauer Mulde und des von Südost her fliessenden Schwarzwassers bei ihrem Zusammentreffen bei Aue erweitern. Man findet in dieser für das dortige Gebirge ungewöhnlich breiten Thalweitung ausser den ziemlich ausgedehnten, von Schotter, Sand und Lehm gebildeten, wenig über dem heutigen Flussniveau ausgebreiteten Alluvial-Schichten auch diluviale Ablagerungen. Diese, aus Schotter und Lehm zusammengesetzt. lassen sich als breite Terrassen bis zu 410 m Meereshöhe oder bis zu 70 m Höhe über dem heutigen Mulden-Spiegel nachweisen und können im Schwarzwasserthal auch weiter nach Südost hin verfolgt werden. Insbesondere haben sich zwischen Lauter und Schwarzenberg mehrfach Reste dieses diluvialen Thalbodens erhalten, so zum Beispiel in der Ziegeleingrube an der Landstrasse zwischen Lauter und Neuwelt.