Original paper

Geologische Bemerkungen aus Transkaspien.

Böhm, Georg

Kurzfassung

Schon seit Jahren war es meine Absicht, die centralasiatischen Besitzungen Russlands aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Der diesjährige internationale Geologencongress in St. Petersburg bot die erwünschte Gelegenheit zur Ausführung dieses Planes. Am Ostufer des Kaspischen Meeres ist die Station Usun-Ada aufgegeben, das letzte Schwellenmaterial wurde gerade entfernt. Wir landeten in dem vorzüglichen Hafen von Krassnowodsk, und ich machte von hier aus mit Herrn Walther aus Jena mehrere Excursionen. Alsdann fuhren wir zur Station Djebel, um den grossen Balchan zu besuchen. Am westlichen Abhänge desselben befindet sich eine Wasserleitung, die Djebel und die Umgegend versorgt. Herr Andrussow hatte mir in St. Petersburg mitgetheilt, dass er an einer der Quellen Belemniten gefunden habe. Man erreicht den Ort mit Lastkamel in 31/2 Stunden, er ist also ca. 14 km von der Station Djebel entfernt. Wir fanden nach den Angaben von Andrussow sofort die wenigen Kalkblöcke, in denen wir Hydractinien ähnliche Formen, Cidarisstacheln, Brachiopoden, Exogyren. Belemniten und auch Ammoniten beobachteten. Doch sind die Fossilien meist nur sehr schwer aus dem harten Kalk herauszupräpariren, und ich verlor vergeblich die knappe Zeit damit, günstigere Fundpunkte zu entdecken. Ueber jenen harten Kalken treten mürbere Kalksandsteine auf, die zahllose Crinoidenstielglieder und nicht selten auch Rhynchonellen enthalten. Letztere sind leicht und in verhältnissmässig gutem Zustande zu gewinnen. Jedenfalls möchte ich den Fachgenossen bei flüchtigem Besuche rathen, zunächst die fossilführenden Blöcke an der hinteren, offenen Quell auszubeuten.