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Zur Altersfrage der Braunkohlen-Formation am Niederrhein.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Die im zweiten Hefte des laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift veröffentlichten Ausführungen des Herrn Stürtz haben meine Aufmerksamkeit auf eine frühere Publication des Herrn Pohlig hingelenkt, welche mir bis dahin unbekannt geblieben war. Herr Stürtz ist eifrig bemüht, darzulegen, dass Pohlig irrt, wenn er für den Braunkohlen führenden Complex der Bonner Bucht ein jungmiocänes oder gar pliocänes Alter postulirt; die mit den Beobachtungen auf anderen Gebieten contrastirenden und in sich widerspruchsvollen Schlüsse Pohlig's dürften indessen wohl kaum jemals von den unserem Gegenstande Näherstehenden angenommen worden sein und dadurch Verwirrung gestiftet haben. Es herrscht allgemeine Uebereinstimmung darüber, dass den Braunkohlen des Niederrheins, welche über den Sanden von Crefeld lagern und von den Sanden am Dingden und Bocholt bedeckt werden, ihr Platz an der Grenze zwischen Oligocän und Miocän gebührt, und die einzige Differenz, welche besteht, scheint nur darin zu liegen, ob man sie noch als Ober-Oligocän oder schon als Unter-Miocän aufzufassen hat. Die gründlichen Untersuchungen von Th. Ebert haben eine ganz analoge Schichtenfolge wie in den Rheinlanden auch in Hessen nachgewiesen; die Braunkohlen des Habichtwaldes, des Meissners, der Lichtenau etc. liegen über den marinen Sanden von Kaufungen, dem Ahnethal und anderen Localitäten, mithin über den typischen Vertretern der Sande von Cassel, und werden von Basalttuffen und Polierschiefern überlagert, welche einmal in der Hohenzollernstrasse in Cassel selbst noch typisch oberoligocäne marine Conchylien wie Turritella Geinitzi Spey. und Cytherea incrassata Sow. einschliessen, andererseits Leuciscus papyraccus Trosch., die "Plötze" von Rott, führen. Man könnte versucht sein, Angesichts dieser Daten mit Bestimmtheit für den oligocäneu Charakter auch der niederrheinischen Braunkohlen-Formation einzutreten, für welchen man auch die an den verschiedensten Punkten gemachten, durchaus sicheren Funde von Anthracotherien als Beleg anzuführen vermöchte.