Original paper

über Aufschlüsse im Diluvium bei Halbe an der Berlin-Görlitzer Eisenbahn.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Nahe bei der Station befinden sich drei tiefe Gruben der Vereinigten Halber Dampfziegeleien Actiengesellschaft. Die daselbst abgebauten Thone bilden die ältesten Schichten des Diluvium und werden von den märkischen Braunkohlenbildungen unterteuft. Das Hangende des an einigen Stellen über 35 m mächtigen Thonlagers wird durch diluvialen Spathsand gebildet, der 6-10 m mächtig und in der am Rande der Diluvialhochfläche gelegenen Grube interglacialen Alters ist, dagegen in den beiden anderen in der Thalfläche befindlichen Gruben noch von jungdiluvialem Thalsande überlagert wird. Zwischen dem Thon und Sand bemerkt man eine aus oft sehr grossen und z. Th. geschrammten Geschieben gebildete Steinsohle, die bis zu 0,5 m Mächtigkeit besitzt und als Rest eines zerstörten Unteren Geschiebemergels anzusehen sein dürfte. Der Sand zeigt nach unten zu häufig Einlagerungen von zerriebener Braunkohle und von Lignitgeröllen. Ausserdem kommen in ihm sowie in der Steinsohle zahlreiche Bernsteinstückchen vor. In der Steinsohle wurde vor Kurzem eine sehr schön erhaltene, rechte Stange eines Renthiergeweihs aufgefunden, die der Vortragende vorlegte, und welche ihm von Herrn Director Gieche für die Sammlung der geologischen Landesanstalt gütigst überlassen wurde. (Siehe die beigefügte Abbildung.) Sie zeichnet sich durch bedeutende Grösse aus, zeigt fast keine Spuren von Abrollung und dürfte auf die hocharktische Art, Rangifer groenlandicus, zu beziehen sein. Da auch Mammuthreste hier gefunden sind, so wird aller Wahrscheinlichkeit nach bei Halbe das interglaciale Rixdorfer Niveau der grissen Säugethiere vorliegen.