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Gesteinsproben der Culmgrauwacke von Mägdeburg vorlegen.

Wolterstorff

Kurzfassung

Gestatten Sie mir, Ihnen einige Proben der von mir 1892 entdeckten marinen Fauna des Magdeburger Untercarbon oder sogenannten Culm vorzulegen. Die betreffenden Schichten wurden bei dem Bau des neuen grossen Neustädter Hafens aufgeschlossen und zwar dicht an der Magdeburg-Berliner Eisenbahnbrücke, deren Pfeiler auf diesem letzten nördlichen Rücken der Magdeburger Grauwacke ruht; nur 10 m weiter nördlich von dem letzten Petrefactenfundort für Pflanzen und Thiere stürzt der "Magdeburger Uferrand" Klockmann's in durch Bohrungen unerreichte Tiefen ab! Die Funde beschränken sich auf einen Abschnitt des Hafenkanals, 150 m lang und 50 m breit, welcher zur Zeit meiner Aufsammlungen allein noch in Arbeit war. Vor Allem wurde die Sohle des Hafens in dieser Zeit noch um 2 m vertieft, an einem Punkte (Südwestende) gingen die Ausschachtungen behufs Baues einer Hubbrücke noch einige Meter tiefer und förderten schönes, frisches Material zu Tage. Thiere und Pflanzen (Lepidodendron, Calamites) liegen in diesen Schichten, welche in höchstens 100 m Mächtigkeit erschlossen waren, innig vergesellschaftet, nur sind die Pflanzen in den Grauwackebänken, die Thiere in den dazwischen liegenden Thonschieferlagen häufiger und besser erhalten. Nach der Nähe des Oberharzes, nach der Uebereinstimmung des Gesteins und der Flora mit der Klausthaler Grauwacke sollte man für die Fauna der untersten Magdeburger Grauwacke eine gewisse Uebereinstimmung mit dem Posidonomyen-Schiefer, dem Liegenden der Klausthaler Grauwacke, vermuthen. Das ist jedoch nicht der Fall, Posidonomya fehlt bei Magdeburg entschieden, dagegen ist das im Harz seltene Muschelgeschlecht Aviculopecten in zahlreichen Individuen, aber wenig Arten gefunden, daneben treten Ctenodonta und Janeia (nach neuerlicher, gütiger Bestimmung durch Herrn Dr. Beushausen) auf.