Original paper

über Furchensteine aus Masuren.

Müller, G.

Kurzfassung

An den Ufern vieler Alpenseeen findet man sehr häufig Kalkgeschiebe, deren Oberfläche mit mehr oder weniger tiefen, vielfach mäandrisch gewundenen, hohlkehlartigen Rinnen durchzogen ist, so dass man sie sehr treffend als Furchensteine bezeichnet hat. Wie Cohn-Breslau hervorhebt, erinnern die Furchensteine vielfach an das Relief eines Alpenlandes, indem die trennenden Leisten, Bergketten vergleichbar, sich verzweigen, sich wieder mit einander verbinden, Quer- und Längsthäler und Kessel einschliessen. Sind die Furchen weniger tief, so erinnern sie auch an die Gänge der Borkenkäfer. Manche Stellen der Oberfläche machen den Eindruck, als ob sie von Bohrmuscheln angefressen seien. Aehnliche Furchensteine fanden sich bei der Aufnahme des Blattes Gr. Bartelsdorf am Ostufer des Gillau-Sees. Der See liegt an der NW-Grenze des Kreises Ortelsburg im Bereich der Moränenlandschaft, die hier an silurischen Kalkgeschieben sehr reich ist. Die Geschiebe liegen auf einem kleinen, halbinselartigen Vorsprung, der früher mit Wasser bedeckt war, jetzt jedoch, da der See seit einer Reihe von Jahren abgelassen ist, in Beackerung genommen ist. Der Untergrund ist ein grandiger Sand mit zahlreichen Geschieben. Sämmtiiche Kalkgeschiebe sowie Kalksandsteine waren immer an ihrer Oberfläche mehr oder weniger tief von Furchen durchzogen, so dass sie den alpinen Furcheusteinen vollkommen gleichen. Ueber die Entstehung der Furchen findet man in der Litteratur zwei verschiedene Ansichten vertreten. Nach der einen sollen sie auf die Wirksamkeit von Dipteren- oder Neuropteren-Larven zurückzuführen sein. Nach der Ansicht Cohn's-Breslau ist die Oberfläche der Furchensteine auf Aetzungen von Algen zurückzuführen.