Original paper

über die Muschelkalk-Fauna von Schwieberdingen in Württemberg.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Das Dorf Schwieberdingen liegt im Strohgau, der grossen Lettenkohlen-Ebene, die sich im Nordwesten des Stuttgart - Cannstatter Beckens ausdehnt. Der reiche Fundpunkt, der den untersten Schichten des Trigonodus-Dolomites angehört, wurde bei der Anfnahme des Kartenblattes Stuttgart 1865 von Oscar Fraas entdeckt. Seitdem ist dort viel gesammelt worden. Doch ist das schöne Material nur wenig über Schwaben hinausgekommen. Die fossilreichen Schichten im Hühnerfeld zwischen Schwieberdingen und Münchingen sind in einem alten Steinbruch aufgeschlossen, der am Abhang des Lettenkohlen-Plateaus auf Muschelkalk angelegt war. Die untersten Schichten, die aufgeschlossen sind, bilden die dünnbankigen sog. Bröckelbänke des Nodosus-Niveaus. Sie werden überlagert von blauschwarzem, massigem, "wildem Fels", der wohl das Cer. semipartitus - Niveau darstellt; über diesem lagert eine ca. 30 cm dicke Bank von graugelbem, krystallinem Dolomit, die die untere Grenze der fossilreichen Schichten darstellt. Diese selbst besitzen ungefähr 1 m Mächtigkeit und bestehen aus lockeren Dolomitsanden, Letten und dünnen Dolomitbänkchen. Die untersten 30 cm sind am reichsten; gewöhnlich liegt zu unterst eine Bank, die in grosser Menge sehr schön erhaltene Exemplare von Gervillia socialis birgt, darüber folgen einige Bänkchen von Letten, Dolomit und eine eigenthümliche, schwarze, humose Schicht, die beim Angraben einen üblen Geruch verbreitete, und in der ich eine Anhäufung von Tangen vermuthe. Ueber dieser Lage zieht sich eine ca. 15 cm mächtige Schicht durch, welche fast nur aus Schalen und Schalentrümmern, die in lichtgelben Dolomit oder graue Kieselsubstanz verwandelt sind, besteht. Hier wiegen die Myophorien, speciell M. laevigata, vor. Die oberen 2/3 der weicheren Schichten sind fossilärmer.