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über ein Vorkommen von Austern im lithographischen Schiefer von Solenhofen.

Philippi, Emil

Kurzfassung

Austern scheinen im lithographischen Schiefer von Solenhofen recht selten zu sein, wenigstens führt v. Gümbel bei Aufzählung der Solenhofener Fossilien nur die kleine Exogyra spiralis Gf., aber noch keine echte Auster an. Wenn man die Lebensweise der Austern und die Bedingungen, unter denen sich die Sedimentbildung im Solenhofener Becken vollzog, in Betracht zieht, so ist dies keinesfalls verwunderlich. Im Solenhofener Jurameere muss sich ein äußerst feiner Kalkschlamm abgesetzt haben, den die Flüsse von einer nahen Küste hineintrugen oder den die brandende Wellen in's tiefere Meer hineinspülte. Die Ablagerung des Kalkdetritus muss sehr reichlich und sehr rasch erfolgt sein; im anderen Falle wäre es nicht denkbar, wie sich so zarte Gebilde wie Medusen, Libellen, wie sich Muskelsubstanz und Schwimmblase von Fischen und die bekannten Wirbelthierreste in ihrer unübertroffenen Schönheit hätten erhalten können. Wären die Thierkörper nicht in sehr kurzer Zeit von Kalkschlamm bedeckt worden, so hätten, abgesehen von den Verheerungen, die der Fäulnissprocess mit sich führen musste, die zahlreichen Bewohner des Solenhofener Meeres, hauptsächlich Fische und Krebse dafür gesorgt, dass die Scelettheile sich nicht mehr so säuberlich beieinander finden, wie das bei den Fossilien des lithographischen Schiefers meist der Fall ist. Dass unter solchen Verhältnissen der Sedimentation Austern auf dem Grunde des Meeres nicht gedeihen, jedenfalls kein hohes Alter erreichen konnten, liegt auf der Hand; als festsitzende Thiere wären sie sehr bald erstickt worden. Wenn sich daher Austern im Solenhofener Schiefer gefunden haben, so wird man annehmen müssen, dass sie an lebende Thiere oder an Gegenstände sich anhefteten, die an der Oberfläche des Meeres trieben.