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Ueber marine Dyas-Brachiopoden aus Australien.

Frech, Fritz

Kurzfassung

Für die Erklärung der paläozoischen Eiszeit der Südhemisphäre, deren Bearbeitung das schwierigste in der Lethaea palaeozoica zu behandelnde, stratigraphische Problem bildet, ist die genaue Bestimmung des geologischen Alters von ausschlaggebender Bedeutung. In den meisten vorliegenden Arbeiten wird die Gletscherperiode ganz oder theilweise in das Carbon gestellt. Die Steinkohlenzeit ist nun diejenige Epoche der Erdgeschichte, in der geographische Verschiedenheiten der Meeresfauna und der Pflanzenwelt des festen Landes so gut wie gar nicht ausgeprägt sind. Thiergeographische Meeresprovinzen können z.B. weder während des älteren noch während des jüngeren Carbon unterschieden werden. Diese nicht leicht zu erklärende, von älteren und jüngeren Erdperioden abweichende Gleichförmigkeit setzt zum mindesten ein gleichmässiges Klima voraus und macht die Annahme einer Eiszeit höchst unwahrscheinlich. Die Dyaszeit ist im Gegensatz zu dem Carbon die Periode der ausgeprägtesten geographischen Differenzirung der Meeresthiere, die eine Vergleichung der einzelnen Vorkommen im höchsten Maasse erschwert. Gleichzeitig mit den geographischen Umwälzungen bereitet sich schon in den untersten, floristisch nur wenig vom Carbon verschiedenen Schichten der Nordhemisphäre eine Aenderung der Landflora vor; am Schluss der Dyas haben die Gymnospermen und zwar vor Allem Coniferen, daneben auch Cycadeen die Cryptogamen zurückgedrängt. Beide Thatsachen würden die Annahme bedeutender Klimaschwankungen während der Dyaszeit nahe legen. Sehen wir nun zu, wie die paläontologische Zusammensetzung der marinen Thierwelt Australiens zu diesen Voraussetzungen stimmt.