Original paper

Berichtigung eines geologischen Irrthums.

Philippi, R. A.

Kurzfassung

Herr Dr. Neger sagt in einem sehr lesenswerthen Aufsatz: "Die Araucarien-Wälder in Chile und Argentinien" Folgendes: "Die Araucaria imbricata bewohnt in den hohen Anden einen schmalen Gürtel von ca. 80 km Breite und etwa 250 km Länge. Fürwahr ein trauriger Rest. wenn man in Erwägung zieht, dass das uralte Geschlecht der Araucarien in früheren Epochen wahrscheinlich eine dominirende Stellung in den Gebirgsgegenden Süd-Americas eingenommen hat. Im Nationalmuseum zu Santiago (Chile) werden Abdrücke von beblätterten Araucarien-Zweigen aufbewahrt, welche aus der Puna von Atacama stammen. Angenommen, es handelt sich hier um die gleiche Art, wie die heutzutage in Araucanien wachsende, so würde sich für die damalige Zeit ein 5 bis 6 Mal grösseres Areal in N-S-Richtung ergeben. Diese Erscheinung würde zu dem pflanzengeographisch interessanten Schluss berechtigen, dass die hohe Cordillere in früheren Perioden noch viel mehr denn heutzutage als Brücke für die Wanderung der gemässigten Formen gedient und diese Eigenschaft in Folge der momentan bestehenden klimatischen Verhältnisse zum Theil eingebüsst hat." Die Ansicht, dass in früheren Zeiten in der Gegend, wo jetzt die 3-4000 m hohe Puna Boliviens ist, Araucarien-Wälder existirt haben, und dass diese Bäume vom südlichen Chile aus über die Cordillere dahin gewandert seien, ist vollkommen hinfällig, da sie auf einem doppelten, thatsächlichen Irrthum beruht, dessen Schuld übrigens nicht auf Herrn Dr. Neger, sondern auf ganz andere Personen fällt. Die Ueberreste der Araucaria, welche im Museum von Santiago vorhanden sind, und auf welche sich Dr. Neger bezieht, sind nicht von der Hochebene Boliviens, sondern nach Angabe der sie begleitenden Etikette aus einer Grube des Silberbergwerks von Huantajaya - Huantajaya liegt nahe am Meer bei Iquique -, aber diese Angabe ist falsch. Sie stammen aus dem südlichen Chile und zwar von Los Anjeles, das in geringer Entfernung südlich vom Vulkan von Antuco liegt. Die Sache verhält sich folgeudermaassen.