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Fusulinella, ihr Schalenbau und ihre systematische Stellung.

Lienau, Detlev

Kurzfassung

Die Gattung Fusulinella Möll, spielt in den neueren, systematischen Eintheilungen der Foraminiferen, die auf phylogenetischer Grundlage ruhen, eine wesentliche Rolle. Um diese Bedeutung würdigen zu können, müssen wir einen Blick auf die Entwickelung dieser Systeme werfen. Im Jahre 1887 ersetzte Neumayr die bis dahin übliche, künstliche Einteilung der schalentragenden Foraminiferen durch ein auf ihre natürlichen Verwandtschafts-Verhältnisse gegründetes System. Er bewies überzeugend, dass man in den früheren Systemen zu grosses Gewicht auf Schalenmaterial und Schalenstructur gelegt hatte, da diese viel eher einer Variation fähig sind, als der Bauplan, der "Typus", der einer Formengruppe eigentümlich ist. Die Entwickelung und Ausbildung dieses Schalenbaues ist, wie neuerdings Rhumbler an vielen Beispielen nachgewiesen hat, hauptsächlich bestimmt durch das Streben nach Festigkeit, worauf Neumayr bei der Aufstellung seiner vier Schalentypen noch nicht eingegangen ist. Dem Streben nach Festigkeit entsprach zunächst der Erwerb einer Schale überhaupt: die anfangs unbeschalten Rhizopoden nahmen Saudtheilchen in ihre Oberfläche auf, wodurch, als erste Entwicklungsstufe, "die irregulär agglutinirenden Sandschaler (Neumayr)" entstanden, die zur Ausbildung eines festen Typus noch nicht gelangten. Es sind das die Stammformen der Thalamophoren: Neumayr's Astrorhiziden, Rhumbler's Rhabdaminidae, die sich aus unbeschalten Rhizopoden in Zeiten der Erdgeschichte, die der Beobachtung nicht zugänglich sind, gebildet haben mögen und nach Rhumbler noch öfter in jüngeren Formationen und auch heute noch als "Neulinge" entstehen.