Original paper

Notiz über eine Pseudodiscordanz.

Rinne, Fritz

Kurzfassung

Im Lerbacher Thale bei Osterode am Harz befindet sich an der rechten Thalseite, einige hundert Schritt unterhalb des Gasthauses zur Waldquelle im Walde versteckt, ein verlassener Steinbruch, der in ausgedehnter Fläche eine steil einfallende und parallel dem Thal streichende Kieselschieferwand zeigt. Der Steinbruchsbetrieb scheint ursprünglich auf die Gewinnung von Grauwacke gerichtet gewesen zu sein. Sie überlagert den Kieselschiefer in dickeren Bänken, wie es an der rechten Seite des Bruches noch zu sehen ist. Besonders auffällig ist eine auch im Bilde Fig. 1, p. 421. heraustretende Ueberlagerung der an ihrem Fusse durch zahlreiche. eckige Kieselschiefer-Bruchstücke verschütteten, steil fallenden Wand durch schwach geneigte Schichten. Man glaubt beim Betreten des Steinbruches auf den ersten Blick ein ausgezeichnet schönes Beispiel der in der Gegend von Osterode am Harz vortrefflich aufgeschlossenen discordanten Ueberlagerung carbonischen Gebirges durch Zechstein vor sich zu haben. In Wirklichkeit ist die Erscheinung durch "Hakenbildung" verursacht. Die steil aufgerichteten Schichten des Kieselschiefers sind in bekannter Art, dem Gehängedruck Folge leistend, am Ausgehenden nach dein Thale zu umgeklappt. Die steile Wand und die überlagernden Schichten bestehen beide aus Kieselschiefer. Die umgelegten, einst überhängenden, oberen Randtheile der äusseren Schichten sind natürlich abgebrochen, während die umgeklappten Theile der weiter im Innern des Abhanges befindlichen Schichten sich auf den oberen Rand der äusseren Schichten legten, so eine Stützfläche fanden und eine ursprüngliche Discordanz vortäuschen. In Wirklichkeit stellen sie mit anderen Worten das umgeklappte Ausgehende des Liegenden der äusseren Schichten dar. Ihr Drehwinkel ist bedeutend grösser als ein rechter.