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Geologische Beobachtungen am Lago di Santa Croce.

Boehm, Georg

Kurzfassung

Um August 1896 besuchte ich das Dorf Santa Croce an dem See gleichen Namens in Venetien, um den benachbarten Fundpunkt Calloneghe erneut auszubeuten. Der fossilienreiche Steinbruch wird nicht mehr betrieben. Immerhin fand ich in demselben noch zahlreiche Bruchstücke von Hippurites Oppeli, die kleinen Radioliten, mehrere Exemplare von Actaeonella Sanctae-Crucis und - mit letzterer Art verkittet - Oonia Paosi. Vom Steinbruche aus ging ich über den Ort Calloneghe herunter zum Lago morto. Man beobachtet überall zerstreute Blöcke von braunem, sehr harten, tertiären Sandstein, der von hier, wie ich glaube, in der Literatur noch nicht erwähnt ist. Ob dieser Sandstein in der Nähe ansteht, vermochte ich nicht festzustellen. Nördlich vom Lago morto, westlich von Basso Fadalto. giebt Futterer die Hauptverwerfung an, deren "Sprunghöhe am Lago morto den grössten Betrag erreicht, der dort über 1800 m anwächst." Herr Beyrich sagt, dass "die grosse, dem Westrande des Lago di Santa Croce parallel laufende Verwerfung ihr Ende bereits bei Cima Fadalto erreicht", d.h. also nördlich von Basso Fadalto. Aber ganz abgesehen davon. Ich habe bei verschiedenen Begehungen eine Verwerfung nicht feststellen können. Nach meinen Beobachtungen liegt hier nicht eine Verwerfung, sondern vielmehr eine Mulde vor, deren Westflügel mit steil aufgerichteten Schichten sich um mehr als 1200 m höher erhebt, als der Ostflügel. Alles was ich an den Steilgehängen westlich vom Lago morto bis hinauf nach C. Armada, M. Faverghera, Col Torond, Cne Camp und Col Vicentin beobachtet habe, spricht für diese Auffassung. Besonders klar sind die Verhältnisse in der grossen Schlucht, die von C. Armada nach Basso Fadalto herabzieht und die auch auf den topographischen Karten 1 : 50000 und 1 : 25000 angegeben ist.