Original paper

Ueber patagonisches Tertiär etc.

Hauthal, Rudolf

Kurzfassung

Von den Ergebnissen meiner sechsmonatlichen Reise im südwestlichen Patagonien (Gegend zwischen "Ultima Esperanza" und "lago Argentino" will ich hier vorläufig folgende hervorheben. Im Gegensatze zu Steinmann konnte ich in der von mir besuchten Gegend eine Discordanz zwischen Kreide und Tertiär nicht beobachten. In den von Darwin als "Thonschiefer" angesprochenen sandigmergeligen, z. Th. auch thonigen, mehr bröckeligen als schieferigen Gesteine fand ich an vielen Orten (Ultima Esperanza, Cerro Solitario, Cerro Payne etc.) Inoceramus, wenig Ananchytes (ovatus?) und einzelne Exemplare eines dem "Pachydiscus" nahestehenden Haploceratiden. Diese "Thonschiefer", in denen auch viele Pflanzenreste, aber nur in Form von eigenthümlichen Wurzeln vorkommen, sind im Gebiete der Vorcordillere (so namentlich am Cerro Payne) stark gefaltet; weiter östlich jedoch in den isolirten Vorbergen, welche hier den Uebergang von der Cordillere in die Pampa vermitteln (Ceno Ballena, Ostende des Cerro Toro, Cerro Cazador, Cerro Solitario etc.), verlieren sie allmählich die Faltung und tauchen in nahezu horizontaler Lagerung, mit leichter Neigung nach Osten, unter die ihnen in vollkommener Concordanz auflagernden tertiären Schichten. Schon im oberen Niveau der "Thonschiefer" stellen sich Pflanzenreste (Calamites) führende Sandsteinbänke ein, die weiter oben vorherrschend werden und sich schliesslich zu den mächtigen Sandsteinmassen des unteren Tertiärs Patagoniens ausgestalten, mit hin und wieder linsenartig auftretenden conglomeratischen Lagen. In den obersten Sandsteinbänken der Kreideschichten (östlich vom Lago maravillo), in den östlichsten Vorbergen (Cerro Cazador, Cerro Guido) fand ich reiche Ausbeute an Fossilien (unter denen viele Ostrea, Inoceramus, Acanthoceras, Baculites (anceps?) und viele Gasteropoden), und unmittelbar über diesen Bänken entdeckte ich wohlerhaltene Reste angiospermer (Salix, Acer, Quercus etc. ähnlicher) Dicotyledonen, meines Wissens der erste derartige Fund in Süd-Amerika, der dadurch besonders bedeutungsvoll wird, weil die hier zuerst auftretenden Dicotyledonen grosse Uebereinstimmung mit den aus Nord-Amerika bekannten zeigen.