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Vereisung und Vulkanismus

Harboe, E. G.

Kurzfassung

Geht man von der Erscheinungen, die an den noch thätigen Vulkanen zu beobachten sind, aus, so darf man wohl annehmen, dass die stärkere vulkanische Thätigkeit zur Tertiärzeit eine so grosse Dampfentwickelung im Gefolge gehabt habe, dass diese habe störend auf die atmosphärischen Verhältnisse einwirken müssen und dadurch möglicherweise die grosse, nordische Vereisung verursacht habe. Vermeintliche Spuren von Vereisungen sind bis jetzt in mehreren Erdperioden aufgefunden worden und legen die Vermuthung einer gewissen Periodicität in den Vereisungsphänomenen nahe. Diese würde in voller Uebereinstimmung mit anderen Vorgängen stehen, die im Verlaufe der Zeit auf der Erde vor sich gegangen sind, wie z.B. die Gebirgsbildungen, der Vulkanismus, die Transgressionen u.a.m. Es würde auch hierdurch eine Wahrscheinlichkeit für eine Verbindung zwischen diesen Processen und den Vereisungsepochen entstehen. Schon im Devon finden sich im oberen "old red sandstone" mächtige Anhäufungen von subangulären Conglomeraten oder Breccien, die an die jüngeren Glacialablagerungen erinnern und zu dem Schluss geführt haben, dass jene mit gleichzeitigen, glacialen Vorgängen in Verbindung gestanden haben. Aus späteren Zeiten haben besonders die äquatoriale, post- oder permocarbone und die grosse nordische Vereisung zu Ende der Tertiärzeit die Aufmerksamkeit erregt. Die permo-carbone Vereisung dehnte sich nach Waagen vom 40° südl. Br. bis zum 35° nördl. Br. und vom 18° östl. L. bis zum 135° östl. L. über einen Continent, das sog. Gondwánaland, aus, welches zur Carbonzeit existirte und durch spätere Einstürze, durch die der Indische Ocean entstand, in die Indische Halbinsel, Australien und einen grossen Theil von Afrika zerstückelt wurde.