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über die Eisbewegung, ihre physikalischen Ursachen und ihre geographischen Wirkungen.

Von Drygalski, Erich

Kurzfassung

Die Beobachtungen geschahen wahrend der beiden Grönland-Expeditionen der Berliner Gesellschaft für Erdkunde in den Jahren 1891 und 1892/93, deren wissenschaftliche Ergebnisse in einem zweibändigen Werke (Grönland-Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin unter Leitung von Erich Von Drygalski, Berlin 1897; vergl. auch Peterm. Mitth., 1898, III) nunmehr vorliegen. Der erste Band enthält die physikalischen und geographischen Untersuchungen über Grönlands Eis und sein Vorland von E. v. Drygalski, der zweite die zoologischen und botanischen Arbeiten von E. Vanhöffen, die erdmagnetischen und meteorologischen Messungen von H. Stade und die astronomischen und Schwerkrafts-Beobachtungen von E. v. Dryoalski. Der Inhalt des ersten Bandes bildet den Gegenstand des Vortrages. Das Inlandeis bedeckt das ganze Innere Grönlands in einer Ausdehnung von etwa 30 000 [xxxxx] Meilen und bietet den nächsten Vergleich zu den Verhältnissen dar, unter welchen Nord-Europa während der Eiszeit stand. Die Entstehung des Inlandeises ist theils durch ein Vordringen der auf den Gebirgen vereisten Firnmassen, theils durch ein Ausfrieren der Flüsse zu erklären. Die Formen dieser Eisbedeckung sind nicht vollständig unabhängig von den Landformen, wie es Nansen annahm; sie lassen durch ihr Verhältniss zu den Küstengebirgen, zu den Nunataks (Felsinseln im Eis) und zu den Staubmengen (Kryokonit) auf ihrer Oberfläche erkennen, dass das Eis in den östlichen Theilen des Landes entsteht und gegen die Gebirge des westlichen Küstensaumes abströmt. In dem mittleren Theile Grönlands wird eine Mulde zwischen den östlichen und den westlichen Küstengebirgen vom Eis erfüllt, welche man mit der Senke der Ostsee vergleichen kann, die das nordeuropäische Inlandeis zwischen seinem scandinavischen Ursprungsgebiet und den Gebirgen an seinem äusseren Rande durchströmte.