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Beiträge zur Morphologie und Phylogenie der Lamellibranchier.

Philippi, Emil

Kurzfassung

In meiner Thätigkeit als Assistent am Museum für Naturkunde in Berlin habe ich mich vorwiegend mit Zweischalern zu beschäftigen, deren Durcharbeitung mir anvertraut worden ist. Es liegt auf der Hand, dass derjenige, der eine Gattung von ihrem ersten Auftreten bis zu ihrem Erlöschen oder bis zur Gegenwart gleichmässig verfolgt, öfters zu anderen Resultaten gelangen wird, als derjenige, der sich nur mit einer Formation oder einer Fauna beschäftigt. So stimmen auch meine Ergebnisse manchmal nicht mit denen überein, die in vielen, werthvollen Einzelbeschreibungen niedergelegt sind und die z. Th. den allgemein verbreiteten Lehrbüchern zur Grundlage gedient haben. Ich erlaube mir, unter dem vorstehenden Titel in einer Reihe von kleineren und grösseren Aufsätzen die Anschauungen zur Diskussion zu stellen, zu denen ich durch die systematische Durcharbeitung eines sehr ausgedehnten Zweischalermaterials gelangt bin. 1. Ueber Hinnites und Velopecten. Die Gattung Hinnites ist von Defrance 1821 für festgewachsene Monomyarier des Tertiärs aufgestellt worden, die der Autor für Zwischenformen zwischen Spondylus und Ostrea hielt. Seine Diagnose lautet wie folgt: "Coquille bivalve, inéquivalve, adhérente, auriculée, hérisée ou rude; à valve inférieure, couverte de cercles concentriques; à valve superieure, rayonnée longitudinalement; à fossette profonde pour le ligament; Impression musculaire placée du côté opposé à celle des huitres." Als Arten werden von Defrance Hinnites Cortesyi und Hinnites Dubuissoni, die erstere aus Piacenza, letztere aus dem Jungtertiär von St.-Paultrois-châteaux und la Chevrolière beschrieben. Die Gattung Hinnites ist also ursprünglich nur für jungtertiäre Typen aufgestellt worden.