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über eine kürzlich beendete Reise nach Mexico

Naumann, Edmund

Kurzfassung

Einen grossen Umschwung in der Bergbauindustrie der mexicanischen Lande hat der durch amerikanisches Capital bewerkstelligte Ausbau grossartiger Eisenbahnlinien herbeigeführt. In kurzer Zeit wuchsen eine ganze Reihe grosser Schmelz werke empor, wie in San Luis Potosi, Aguascalientes, Monte Réy und Mapimi. Das letztgenannte Werk unterscheidet sich von den vorhergehenden dadurch, dass es durch eigene Gruben gespeist wird. Die Lagerstätten von Mapimi, welche Silber-Goldhaltige Bleierze liefern, sind in geologischer Beziehung ebenso interessant, wie sie in technisch Hinsicht ergiebig sind. Die Gruben von Mapimi sind wahre Millionengruben. Das Erz ist in einem sehr complicirt gestalteten System von Schläuchen enthalten. Die Hauptlagerstätte die sog. Ojuela, steckt wie ein colossaler, über 30 m im Durchmesser betragender, senkrechter Stamm tief im Gebirge und ist bis 500 m Teufe aufgeschlossen. Alle diese Schläuche sind an grosse Spalten gebunden. Sie erscheinen wie die letzten Ausklänge der vulkanischen Thätigkeit, die sich auch durch eine Reihe von eruptiven Gängen, welche in das Kreidegebirge eingreifen, verräth. Es ist, als ob die eruptiven Gänge durch die Schläuche abgelöst würden. Die Schläuche liegen in einer Einbruchzone, welche sich in der Richtung So.-Nw., der das ganze mexicanische Gebirge beherrschenden Hauptstreichrichtung, am Fusse der Buffa, eines 2400 m hohen Kreidekalkklotzes, hinzieht. Die Absenkung beträgt über 700 m. Die Kalke gehören der mittleren Kreide an, welche in ganz Mexico einen Hauptantheil nimmt an dem Aufbau der die mexicanische Centralbahn begleitenden, aus den wie glattgehobelt aussehenden Plateaus auf- und untertauchenden Ketten. Mapimi liegt in der Region des sog. Bolzon von Mapimi, einer abflusslosen Senke des Plateaus, deren tiefste Stellen nur 700 m Meereshöhe betragen, während Mapimi selbst ca. 900 m über dem Meere gelegen ist.